"Luftkrieg über dem Muldental": LVZ klagt über "alliierten Bombenterror" am Ende des Zweiten Weltkriegs

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20.

Dezember
2012
Donnerstag

In der Wurzener Lokalausgabe der Leipziger Volkszeitung (Muldentalzeitung) wird das Buch "Luftkrieg über dem Muldental 1940-1945" des Rentner Heinz Gey vorgestellt, das ab Anfang 2013 erhältlich ist. Der 83-jährige Zeitzeuge, der zuvor bereits ein Buch über "Wurzens Schicksalstage 1945. Die letzten Kriegstage in Wurzen" veröffentlicht hatte, hat dafür laut Verlagsankündigung "zahlreiches Material über den Alltag während des Luftkrieges, die Angriffe im Oktober 1943 und 1944 und einige schlimme Schicksale" zusammengetragen. "Aber auch die Rettungskräfte und die deutsche Luftabwehr bleiben nicht unerwähnt!" heißt es in einer Anzeige im Amtsblatt der Stadt Wurzen, das wie die Bücher von Herrn Gey in einer Wurzener Druckerei verlegt wird.

Nach Ansicht des LVZ-Autors handelt es sich bei dem neuen Werk um ein "weiteres Anti-Kriegsbuch, ein Aufklärungsbuch par excellence". Über die Gründe für den "Luftkrieg" - d.h. die militärische Niederschlagung des nationalsozialistischen Deutschlands, das seine Nachbarländer angegriffen und in den überfallenen Gebieten sowie im eigenen Land zahllose Jüdinnen und Juden, Roma und Sinti, Kommunist_innen und Sozialdemokrat_innen sowie weitere politische Gegner_innen und Andersdenkende brutal verfolgt und ermordet hat - scheint man darin jedoch kaum etwas zu erfahren. In dem LVZ-Artikel ist stattdessen vom "alliierten Bombenterror" die Rede, vom "unnötigen Luftterror des haushoch überlegenen Gegners" und den "aussichtslos-kläglichen Reaktionen der deutschen Luftabwehr". Es werde an die "Solidarität und Nächstenliebe der Luftwaffen- und Luftschutzhelfer, an Rettungs- und Bergungsaktionen der Freiwilligen Feurwehren und der Mädchen vom Roten Kreuz" erinnert.

Das muss nicht revisionistisch gemeint sein, unterscheidet sich aber zunächst kaum von entsprechenden Äußerungen und Parolen, mit denen derzeit Neonazis und andere eine Täter-Opfer-Umkehr betreiben und beispielsweise die Bombardierung Dresdens 1945 als "alliierten Bomben-Holocaust" bezeichnen. Wenn LVZ-Autor Wulf Skaun also schreibt, dass das "Gedenken an sinnlos gefallene blutjunge Männer [...] Wut und Trauer" auslöse, und damit die Hoffnung verbindet, "dass sich solche Barbarei nie wiederholen möge", dann ist das sicher gut gemeint, entspricht mit der völligen Ausblendung der deutschen Täter_innen aber einem Trend zur Entpolitisierung und Enthistorisierung der Verbrechen der Nazis und der Wehrmacht.

Quelle: 

LVZ/MTL vom 20.12.2012 ("Wenn der Himmel zur Hölle wird"), Wurzener Amtsblatt 12/2012 vom 22.12.2012