LVZ klagt über "Asylantenflut" in Nordsachsen und Leipzig - Neonazis schließen sich an

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14.

Juli
2010
Mittwoch

Mitte Juli berichtete die Leipziger Volkszeitung (LVZ) in ihren Lokalausgaben mehrfach in abwertender Weise über Asylbewerber_innen im Leipziger Umland. Ausgangspunkt der Berichterstattung ist eine durch den Beigeordneten des Landkreis Leipzig Klaus-Jürgen Linke in die Öffentlichkeit getragene Statistik, derzufolge der Landkreis im Vergleich zum Rest Sachsens durch überproportional viele Asylbewerber_innen ungerechtfertigte finanzielle Lasten zu tragen hätte.

In der Ankündigung des Artikels der Lokalausgabe Borna-Geithain vom 14.07.2010 wird durch die LVZ nicht nur abwertend von "Asylanten" gesprochen. Flüchtlinge, die aus Bürgerkriegsgebieten und Folterstaaten nach Deutschland kommen, werden darüber hinaus im gesamten Artikel lediglich als Kostenstellen betrachtet. Mit einer besonders zynischen Formulierung über die angeblich zu hohe Anzahl von Asylbewerber_innen in Leipzig wird der Beigeordnete Linke zitiert: "Wir haben [...] um Aufklärung gebeten, weshalb wir so überdurchschnittlich bedacht werden".

In der Delitzscher Ausgabe vom 16.07. übernimmt die LVZ diese Wortwahl und leitet einen ähnlichen Beitrag mit folgendem Satz ein: "Das Innenministerium meint es bei der Zuteilung von Asylbewerbern mit der Region besonders gut". Im Verlauf des Artikels wird jedoch klar, dass das Lokalblatt und die von ihm zitierten Entscheidungsträger_innen nichts Gutes daran finden, dass nach ihrer Meinung zuviele Asylbewerber_innen im Landkreis untergebracht seien. Die widrigen Bedingungen, unter denen Flüchtlinge, die in Deutschland Asyl beantragen müssen, leben, bleiben dagegen unthematisiert. Sie verschwinden hinter den Statistiken und Zahlenkolonnen der Kreiskämmerer, die suggerieren, es gäbe ein zahlenmäßiges "Ausländerproblem". Noch absurder wird diese Art und Weise der Thematisierung, wenn man einen Blick auf die tatsächlichen Zahlen wirft. Statistisch wohnen nur 1,65 Asylbewerber_innen pro 1000 Einwohner_innen im Landkreis. Ihre Zahl ist nicht zuletzt wegen der menschenfeindlichen Asylpolitik auf der Bundesebene seit Jahren rückläufig.

In welches Fahrwasser sich die LVZ und die Landkreisvertreter_innen mit einer solchen Argumentation begeben, verdeutlicht ein Bericht auf der neonazistischen Internetseite "Freies Netz Geithain". Die Nazis greifen die von der LVZ in Umlauf gebrachten Zahlen zur Bestätigung ihrer menschenverachtenden Ideologie auf, indem sie die dort getätigten Aussagen konsequent fremdenfeindlich weiterspinnen. Dabei wird aufgrund der Zahlen nicht nur Verschwendung "deutscher" Steuergelder kritisiert, sondern gleich eine Überfremdung des "deutschen Stammvolkes" herbei halluziniert.

Quelle: 

LVZ Borna-Geithain vom 14.07.2010, Freies Netz Borna-Geithain vom 14.07.2010, LVZ Delitzsch vom 16.07.2010