Nazi-Konzert mit fünf NSHC-Bands und 200 Besuchern in Staupitz

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27.

Oktober
2012
Samstag

Wie üblich konspirativ organisiert, fand im ehemaligen Gasthof Staupitz bei Torgau am Sonnabend ein Nazi-Konzert mit fünf Bands aus dem NS-Hardcore- bzw. Hatecore-Spektrum statt. Als Veranstaltungsort war im Vorfeld nur "Mitteldeutschland" angeben, genauere Informationen gab es kurz vor Konzertbeginn über eine Handy-Nummer. Unter den Bands waren "Moshpit" aus Altenburg (Thüringen), "Painful Awakening" (Mecklenburg-Vorpommern), "Thrima" (Norddeutschland), "2nd Class Citizen" (Berlin) sowie "Backstab" aus Budapest. Die Veranstaltung wurde laut Flyer vom einschlägigen Versandhandel "Rebel Records" aus Cottbus unterstützt und u.a. von Thüringer Neonazis wie der „Aktionsgruppe Nordhausen“ beworben.

Bereits im März 2012 war eine ungarische "Blood & Honour"-Band in Staupitz zu Gast (auch "2nd Class Citizen“ waren damals schon dabei). Das neonazistische "Blood & Honour"-Netzwerk ist in Deutschland zwar seit September 2000 offiziell verboten, jedoch zu großen Teilen unter neuen Namen weiter aktiv. Bei dem von B&H organisierten „Day of Honour“ in Budapest, einem Aktionswochenende zu Ehren von Wehrmacht und Waffen-SS, treten häufig auch deutsche Bands auf, so auch schon die nun in Staupitz aufspielenden Güstrower von "Painful Awakening".

Ein örtlicher Polizeisprecher konnte oder wollte kurz nach der Veranstaltung die Anfrage eines Journalisten nicht beantworten, wieviele Besucher sich zu dem Konzert eingefunden hatten. Er berichtete lediglich von sechzig Kraftfahrzeugen. Laut einer Kleinen Anfrage im Sächsischen Landtag waren es tatsächlich ca. 200 Teilnehmer.

Im Nachgang berichtete auch die lokale "Torgauer Zeitung" ausführlich über die "Nazikonzerte vor der Haustür". Einige Anwohner_innen zeigen sich erschüttert, die zuständigen Behörden macht- und tatenlos. Die Staupitzer Ortsvorsteherin etwa sieht das Problem in fehlenden Freizeitmöglichkeiten für die Jugend: "Viele rennen einfach blind und ohne nachzudenken zu solchen Konzerten." Allerdings würde ein Großteil der Besucher von außerhalb stammen, die Autos hätten Kennzeichen aus ganz Deutschland.

Ein Sprecher der Polizeidirektion Westsachsen gibt an, seine Behörde könne die Konzertbesucher nur außerhalb der ehemaligen Gastwirtschaft auf "Drogen, Waffen oder verbotene Symbole an der Kleidung" kontrollieren - mit geringer Erfolgsquote. Die Konzerte selbst seien als private Veranstaltungen angemeldet, weshalb die Polizei diesen nicht dauerhaft beiwohnen und prüfen könne, ob dabei "verfassungsrechtliche Straftaten" begangen werden. Und die Leiterin des Torgauer Ordnungsamtes, bei dem die Veranstaltungen offenbar angemeldet werden, sieht das Problem eher in der medialen Aufmerksamkeit: „Das ist jetzt so eine Welle, auf die viele aufspringen. Die Konzerte gibt es doch schon so lange."

Quelle: 

Störungsmelder bei Zeit-Online und Publikatve.org vom 29.10.2012 ("RechtsRock boomt in Sachsen"), Kl. Anfrage Drs.-Nr.: 5/10466 ("Aktivitäten der extremen Rechten in Sachsen im Monat Oktober 2012 ", S. 3), Torgauer Zeitung vom 05.11.2012 ("Nazikonzerte vor der Haustür"), chronik.LE