Nazis vertreiben junge Frau in Wurzen aus ihrer Wohnung

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21.

August
2009
Freitag

Über mehrere Wochen hinweg hat eine Gruppe jugendlicher Neonazis in Wurzen eine junge Frau in ihrer Wohnung terrorisiert. Die Nazis treffen sich nach Angaben des Netzwerks für Demokratische Kultur e.V. (NDK) oft zum Feiern in dem Haus in der Schillerstraße, in dem auch der mutmaßliche Kopf der Gruppe zusammen mit seiner Mutter wohnt.

Die Bedrohungen und Belästigungen begannen Anfang Juli mit Nazi-Auklebern auf dem Briefkasten der Schülerin. In den folgenden Tag wurde mehrfach mit Paintballkugeln auf ihre Fenster geschossen, einmal aus einem silberfarbenen Opel heraus. Zudem wurden ihr zwei auf dem Hof aufgehängte T-Shirts gestohlen. Höhepunkt des Psychoterrors waren zwei versuchte Einbrüche: Am 15. August wurde die junge Frau durch Geräusche im Treppenhaus geweckt - mindestens drei junge Männer machten sich an ihrem Türschloss zu schaffen, ohne dass es ihnen gelang, die Wohnungstür zu öffnen. Als sich die Nazis am 21. August wieder zum Feiern im Haus einfanden und die junge Frau einschüchterten, verließ sie vorsichtshalber die Wohnung. Bei ihrer Rückkehr war das Türschloss mit Gewalt geöffnet. Der in der Wohnung verbliebene Hund hatte die Täter aber anscheinend davon abgehalten, die Wohnung zu betreten.

Angesichts der ständigen Bedrohungen und Einschüchterungen ist die 18-Jährige am Sonntag Hals über Kopf ausgezogen. Zu groß war mittlerweile die Angst, das Gebäude allein zu betreten. Sie selbst vermutet als Motiv für die Einschüchterungen, dass sie von den Nazis als Linke wahrgenommen wird, da sie sich anders kleidet und anders denkt als diese.

"Die jungen Neonazis nehmen sich einfach das 'Recht' heraus, im Haus und anderswo als Ordnungsmacht aufzutreten", schreibt das NDK in einer Pressemitteilung. Durch Bedrohungen und Gewalt hätten sie ihr Ziel in diesem Fall sogar erreicht. Das Opfer hat jetzt bei der Polizei Anzeige wegen Bedrohung und Diebstahl erstattet.