Neonaziaktivitäten zum "Volkstrauertag 2012"

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18.

November
2012
Sonntag

Zum sogenannten Volkstrauertag warfen Neonazis auch in Wurzen Kränze ab. Ähnliche Aktionen soll es laut Auskunft des Innenministeriums in Geithain, Grimma und Eilenburg gegeben haben. Zwei Neonazis beteiligten sich ausserdem an Kundgebungen des Wurzner "Bündnis für Demokratie und gegen Neonazismus".

Während Neonazis in den vergangenen Jahren Demonstrationen und Kundgebungen in Wurzen angemeldet hatten, beließen sie es in diesem Jahr bei einer nächtlichen Fackel- und Kranzzeremonie. Zentraler Ort der Aktivitäten war wieder das Soldatendenkmal gegenüber des Wurzner Bahnhofs.

Zur Kundgebung und Demonstration des "Bündnis für Demokratie und gegen Neonazismus" fanden sich etwa 100 Leute ein. Die Aktionen waren in den letzten Jahren gegen die Neonazikundgebungen gerichtet. Laut LVZ liefen auch zwei ortsbekannte Neonazis mit. Der Oberbürgermeister der Stadt hatte diese zwar aufgefordert, die Demonstration zu verlassen, die taten aber nicht dergleichen, sondern legten wie viele andere am Denkmal Blumen ab.

Der Volkstrauertag wurde auf Vorschlag des "Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge" eingeführt, um im deutsch-nationalistischen Duktus den deutschen Toten des Ersten Weltkrieges zu gedenken. Wenig später wandelte sich die Gedenk- und Erinnerungskultur der Weimarer Republik. So rückten Ende der Zwanziger Jahre "Trauer" und Gedenken an die Toten zunehmend in den Hintergrund. Stattdessen wurde eine gesteigerte Mystifizierung von "Heldentum" und "Opferbereitschaft" des "wehrhaften Frontsoldaten" durch Denkmäler und politische Feiern betrieben. Ab 1934 wurde der Tag im nationalsozialistischen Deutschland offiziell als "Heldengedenktag" begangen. Unter dem gleichen NS-Etikett begehen auch heute noch alte und neue Nazis den Tag.

Auch um das Wurzner Denkmal gibt es seit den jährlichen Neonaziaufmärschen Diskussionen, die sich um Intention und Wirkung des Denkmals drehen. Bei einer Veranstaltung, die über Änderungspläne am Denkmal informieren sollte, übertrafen sich Bürger_innen mit teilweise menschenverachtenden Unmutsbekundungen; mittendrin: Neonazis von JN und NPD.