Neonazis bei Benefiz-Schwimmen in Eilenburg

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17.

November
2012
Samstag

In Eilenburg nahmen am Samstag vier Neonazis an einem Benefiz-Schwimmen teil. Im Anschluss schlachteten sie ihre Teilnahme propagandistisch auf der Webseite der NPD Nordsachsen aus.

In der Antwort des Sächsischen Staatsministeriums des Innern (SMI) auf eine kleine Anfrage zum Thema "Aktivitäten der extremen Rechten in Sachsen im Monat November 2012" führt das SMI für den 17. November in Eilenburg für vier Angehörige der NPD-Jugendorganisation "Junge Nationaldemokraten" (JN) recht unscharf beschriebene Aktionsform "Beteiligung an einer nicht-extremistischen Veranstaltung" an. Konkret beteiligten sich vier Neonazis an einem Benefiz-Schwimmen. Beim sogeannnten "24-Stunden-Schwimmen" in der Schwimmhalle Eilenburg, einem städtischen Eigenbetrieb, können die Teilnehmer_innen eine Stunde lang ihre Bahnen zu Gunsten des lokalen "Eilenburger Kinderfond" schwimmen.

Laut einem auf der neonazistischen Webseite der NPD Nordsachsen veröffentlichten Bericht befanden sich Paul Rzehaczek ("JN-Stützpunktleiter" und sächsischer JN-Landeschef) und Jens Gatter (stellvertretender Landesvorsitzender der Jungnazis und NPD-Kreisrat in Liebschützberg) sowie zwei weitere Neonazis unter den 299 Teilnehmenden. Benebelt von dem erdrückenden Erlebnis "noch echte[r] nationale[r] Solidarität" bilanzierte dann auch Paul Rzehaczek das eigene Auftreten nicht ganz so verständlich wie folgt: "Daß jeder Teilnehmer dann mehr gab, als das, was er eigentlich erschwamm, war eine Selbstverständlichkeit für jeden."

Dass die Beteiligung von Neonazis an ähnlichen Benefizaktionen mehr strategisch als selbstlos ist, beweisen häufig die stark propagandistisch aufgebauschten Berichte im Nachhinein. So beteiligte sich Jens Gatter bereits im Jahr zuvor an einer Schwimmveranstaltung. Am 17. September 2011 ging Gatter beim zweiten Zwickauer "Schwimmen für Demokratie und Toleranz - Ich bin dabei!", einer Veranstaltung unter Schirmherrschaft von Sachsens Innenminister Markus Ulbig, baden. Fotos belegen, dass Gatter im Wettbewerb nicht unterging, sondern den vierten Platz ergattern konnte. Die Ablichtungen zeigen den Neonazi gemeinschaftlich posierend mit der Zwickauer Obermeisterin Pia Findeiß sowie Michael Wilhelm, Staatssekretär im sächsischen Staatsministerium des Innern, zeigen. Im Anschluss wurde Gatters Unbekanntheitsgrad beziehungsweise seine erfolgreiche Unerkanntheit für mehrere aufgearbeitete Berichte auf neonazistischen "Netzseiten" genutzt.

Hinweis für Veranstalter: Neonazis müssen bei öffentlichen und nicht-öffentlichen Veranstaltungen nicht zwingend geduldet werden. Sie können zum Beispiel mit bestimmten Klauseln von Veranstaltungen ausgeschlossen werden. Weitere Informationen hierzu hat u.a. das Kulturbüro Sachsen zusammen mit dem MBR Berlin zusammengestellt.