Neonazis aus dem Leipziger Land wollen helfen, das Volk zu zählen

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6.

Januar
2011
Donnerstag

Neonazis aus dem Leipziger Land haben sich zwischenzeitlich öffentlich einem Aufruf der NPD angeschlossen. Die NPD Sachsen empfiehlt dort ihren Mitgliedern und Sympathisanten, sich als Befrager für die im Mai anstehende Volkszählung "Zensus 2011" zu melden und dabei "Rückschlüsse auf mentale Befindlichkeiten, soziale Probleme und politische Stimmungen im Lande zu ziehen". Der Aufruf hatte für ein gewisses Medienecho gesorgt. Auf der Internetseite "Freies Netz Leipziger Land" (die bestehende Neonazi-Blogs aus Borna, Geithain, Kohren-Sahlis, Lunzenau und Frohburg zusammenfasst) wurde Anfang Januar verkündet, es hätten sich dafür bereits Kameraden aus Borna, Geithain und Frohburg als "Volkszähler" gemeldet.

Der NPD-Landesverband verriet in seinem Aufruf, dass der "besondere Reiz" der Befragungen darin liege, dass man dabei "auch Eindrücke von den persönlichen Lebensverhältnissen des einen oder anderen 'Antifaschisten' bekommen" könne. Gerade diese offene Ankündigung, die Befragungen für Anti-Antifa-Aktivitäten nutzen zu wollen, spricht dafür, dass die NPD es vor allem auf die Schlagzeilen abgesehen hat. Spigel-Online erinnert daran, dass die Partei in der Vergangenheit bereits mehrfach mit derartigen Ankündigungen (Aufruf zum Engagement bei der Feuerwehr oder als Schöffen) für Aufregung gesorgt hatte. Linken-Abgeordnte Kerstin Köditz wird mit der Aussage zitiert: "Es ist doch völlig unklar, ob die NPD überhaupt genug Leute mobilisieren kann."

Nur wenige Tage später waren die entsprechenden Hinweise auf den Internet-Portalen der Neonazis im Leipziger Land wieder verschwunden. Möglicherweise, um nun mehr oder weniger ohne öffentliches Rampenlicht als Befrager am Zensus teilnehmen zu können.

Quelle: 

NPD Sachsen vom 06.01.2011, "Freies Netz Leipziger Land" vom 07.01.2011, Spiegel-Online vom 07.01.2011, Endstation Rechts vom 07.01.2011