Neonazis am NPD-Zentrum: mehrere Angriffe auf Personen und Kunsträume in Lindenau

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20.

Mai
2011
Freitag

In der Nacht von Freitag auf Samstag kam es zu mehreren gewalttätigen Übergriffen im Leipziger Stadtteil Lindenau. Eine Gruppe von zwanzig vermummten Neonazis sammelte sich nach Augenzeug_innen-Berichten erst an einer Tankstelle in der Lützner Straße und attackierte dann gegen Mitternacht mehrere Besucher_innen von Veranstaltungen und Partys, die im Rahmen des "6. Kunstraumtags Lindenow“ im Stadtteil unterwegs waren.

Von der Tankstelle zog die Gruppe die Lützner Straße entlang zur Ecke Lützner-/Odermannstraße. Dort bewaffneten sie sich laut Augenzeug_innen mit Quartzhandschuhen und brüllten "Hier regiert der nationale Widerstand". Besucher_innen einer Veranstaltung in einem der am "Lindenow" beteiligten Kunsträume mussten die Eingangstür verbarrikadieren, als die Neonazigruppe versuchte, sich gewaltsam Zutritt zu verschaffen. Nach wenigen Minuten zogen die Vermummten jedoch unverrichteter Dinge auf der Lützner Straße weiter stadtauswärts. An der Ecke Endersstraße wurden wiederum Besucher_innen und Veranstalter_innen eines Kunstraumes bedroht, die sich in ein Wohnhaus flüchteten. Die Neonazis warfen ihnen Flaschen hinterher.

Offenbar standen die Angriffe im Zusammenhang mit einer antifaschistischen Kundgebung am Samstag. So entfernten die Neonazis unter anderem Plakate und Transparente, die auf die Veranstaltung hinwiesen. Bei dem Versuch, ein Transparent auf der Lützner Straße in Brand zu setzen, wurden sie von der Polizei unterbrochen. Diese konnte nach eigener Auskunft keine Personen mehr feststellen.

Wenige Stunden später, nach zwei Uhr in der Nacht, attackierten möglicherweise die gleichen Personen aus dem NPD-Zentrum heraus einen Passanten in der Odermannstraße. Ein Augenzeuge, der die Polizei rufen wollte, wurde ebenfalls zum Opfer. Die Gruppe von ca. 20 Neonazis, die vor dem NPD-Zentrum standen, griffen ihn mit Pfefferspray an und beschimpften ihn als "Antifa-Schwein", offenbar, weil er die Polizei verständigt hatte. Im weiteren Verlauf schlugen sie auf den Betroffenen ein. Erst, als er Portemonnaie und Handy herausrückte, ließen die Neonazis von ihm ab. Der Betroffene hat Anzeige bei der Polizei erstattet, welche wegen räuberischer Erpressung ermittelt. Auch in diesem Fall konnten die eingesetzten Beamten keine Verdächtigen mehr feststellen. Inzwischen ermitteln Kripo und Staatsschutz.

Quelle: 

Augenzeug_innen- und Betroffenenberichte, chronik.LE, Bericht der antifaschistischen Kampagne Fence Off - Weg mit dem Nazi-Zentrum in LE"