Neonazis stören antifaschistische Kundgebung

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20.

Januar
2018
Samstag

Nach einem rassistischen Angriff am 12. Januar 2018, einer rechten Mahnwache am 16. Januar 2018 und der Ankündigung von Neonazis von Vergeltungsaktionen am Wochenende des 19. Januars, meldet das antifaschistische Bündnis "Irgendwo in Deutschland" eine Kundgebung am Wurzener Bahnhof an. Das Bündnis hatte bereits im September 2017 eine Demonstration in Wurzen durchgeführt, welche massiv durch Neonazis gestört wurde. Im Aufruf zur Demonstration am 20. Januar heißt es: "In den vergangen Jahren gab es aus der Stadtgesellschaft in Wurzen keine öffentlich wahrnehmbare Solidarisierung mit den Betroffenen rassistischer und rechter Gewalt. Stattdessen kommt es im Nachgang immer wieder zu rechten Versammlungen und Demonstrationen, auf denen sich die Täter*innen als Opfer darstellen können. Die Liste an schwersten Angriffen ist gerade in den letzten Jahren lang, eine Kundgebung gegen rassistische und rechte Gewalt gab es bisher jedoch nie."

An der Kundgebung beteiligen sich schließlich ca. 250 Menschen. Zeitgleich sammeln sich mehrere Neonazis in der Nähe. Einer ist mit einem Pullover mit dem Aufdruck 88 (Szenecode für "Heil Hitler") gekleidet. Parallel zur antifaschistischen Demonstration melden Neonazis eine Gegenveranstaltung unweit des Bahnhofsparks an. Diese ist allerdings schon nach 45 Minuten beendet.
Einige Journalist*innen, welche die Versammlung begleiten, werden bei ihrer Arbeit von Neonazis angegriffen, können aber entkommen. Die Neonazis halten sich dabei in einer nahegelegenen Immobilie auf, welche von ihnen genutzt wird.
Eine Stunde später stürmen dieselben, vermummt und u.a mit Baseballschlägern und Messern bewaffnet, Journalist_innen, die an der Immobilie vorbei gehen, hinterher. Einer der Neonazis fährt sich als Geste mit einem Messer an der Kehle entlang und zeigte in die Richtung eines Journalisten. Ein anderer brüllt "Dich kriegen wir noch, du fette Sau!"

In der Pressemitteilung der Veranstalter_innen äußert sich die Bündnissprecherin zur Situation in Wurzen: "Wir sind heute nach Wurzen gefahren, um zu zeigen: Wurzen hat kein Image-Problem, Wurzens Problem heißt Rassismus. Wir nennen Wurzen das braune Herz des Muldentals, denn es vereint all die Widerlichkeiten, die auch anderswo eine explosive Mischung bilden: ungestörte Nazistrukturen, eine größtenteils schweigende bis unterstützende Stadtbevölkerung und eine Politik, die sich lieber um das Image der Stadt, als um das Wohlergehen der Menschen kümmert, die in ihr leben."

Quelle: 

* Aufruf zur Kundgebung
* Pressemitteilung Veranstalter_innen
* LVZ online vom 20.01.2018 Hohes Polizeiaufgebot bei Kundgebung gegen Rechts in Wurzen,
* Bilder Sören Kohlhuber
* Bilder Simon Telemann
* pressemitteilung der Polizeidirektion Leipzig vom 13.01.2018: "Auseinandersetzung im Stadtgebiet Wurzen"
* LVZ-Online vom 13.01.2018: "Fünf Verletzte bei Übergriffen an Wurzener Asylunterkunft"
* LVZ-Online vom 15.01.2018: ""Nach Gewaltausbruch in Wurzen: „Arbeit vieler Engagierter zunichte gemacht“"
* LVZ-Online vom 15.01.2018: "Wurzen: Einwohner sehen Gewalteskalation als neuen Tiefpunkt"
* LVZ-Online vom 16.01.2018: "Verletzter 16-Jähriger spricht über Gewaltexzess in Wurzen"
* LVZ-online vom 16.01.2018 "Vorfälle in Wurzen offenbaren: „Die Stadt hat ein Imageproblem“"
* LVz-online vom 17.01.2018 Extremismus-Experte Hajo Funke blickt auf die Folgen der Gewaltbereitschaft in Wurzen
* Spendenaufruf der RAA Sachsen e.V.
* Kreuzer vom 23.01.2018 »Dich kriegen wir noch, du fette Sau!«