Neonazis stören Veranstaltung auf der Leipziger Buchmesse

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20.

März
2011
Sonntag

Neonazis haben während der Buchmesse die Präsentation des Buches "Das verbotene Dorf" über das "Verhörzentrum Wincklerbad der britischen Besatzungsmacht in Bad Nenndorf 1945 - 1947" gestört. Über seinen Twitterkanal verkündete das neonazistische "Aktionsbündnis Leipzig" triumphierend, die Buchvorstellung "erfolgreich gestört" zu haben. In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage zu "Aktivitäten der extremen Rechten in Sachsen im Monat März 2011" bestätigte das sächsische Innenministerium die Störaktion durch zwei Personen.

In Bad Nenndorf hatte der britische Geheimdienst nach dem Zweiten Weltkrieg ein Internierungslager für NS-Funktionäre eingerichtet, in dem bald auch vermeintliche Sowjet-Spione gefangengehalten und verhört worden. Dabei kam es zu zu schweren Misshandlungen und Todesfällen. Die britische Regierung schloss das Lager im Jahr 1947, die Verantwortlichen mussten sich vor Gericht verantworten. Seit einigen Jahren versuchen Neonazis unter anderem mit regelmäßigen Aufmärschen, diese Geschehnisse zu skandalisieren und dabei die Rolle von Tätern und Opfern während ds Zweiten Weltkrieges zu verkehren. Das Buch von Utz Anhalt und Steffeb Holz "soll die tatsächlichen Ereignisse auf der Basis neuester Forschungsergebnisse in den historischen Kontext einordnen", schreibt der Verlag. In der taz hat Utz Anhalt bereits im August 2010 einen längeren Artikel über die "Instrumentalisierung" der Geschehnisse im Wincklerbad durch Neonazis veröffentlicht.

Die Neonazis vom "Aktionsbündnis Leipzig" fühlten sich davon offenbar provoziert. Via Twitter kündigten sie zudem an, später noch "Bericht, Fotos und Video" von der Störaktion liefern zu wollen. Das ist jedoch bislang nicht passiert.

Quelle: 

Twittermeldung des "Aktionsbündnis Leipzig" vom 20.03.2011, Kleine Anfrage Drs.-Nr.: 5/5496 (Aktivitäten der extremen Rechten in Sachsen im Monat März 2011), taz vom 09.08.2010, Buchankündigung beim Offizin-Verlag