Neue Stoplersteine in Geithain beschädigt

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19.

April
2021
Montag

In Geithain wird für den aus politischen Gründen im Nationalsozialismus verfolgten Paul Weise ein neuer Stolperstein verlegt. Der Gedenkstein wird noch am Tag seiner Verlegung zerkratzt und offenbar mutwillig eine Zigarette auf ihm ausgedrückt.
Dies ist nicht der erste Vorfall dieser Art in Geithain: Bereits im Mai 2019 wurden frisch verlegte Stolpersteine mit Beton übergossen.

Paul Hermann Weise wurde am 25.09.1894 in Geithain geboren. Er entstammte einer Arbeiterfamilie und besaß die deutsche Staatsbürgerschaft. Vor 1945 war er zuerst Mitglied in der SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands), in der USPD (Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands) und in der KPD (Kommunistische Partei Deutschlands). Nach 1945 engagierte er sich weiterhin politisch innerhalb der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) und unter anderem im FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund). Im Rahmen seiner politischen Laufbahn nahm er zudem zahlreiche Funktionen ein – so war er z.B. von 1945 bis 1946 der 1. Bürgermeister in Geithain.
Während des Nationalsozialismus wurde Paul Weise aufgrund seiner politischen Einstellung verfolgt, inhaftiert und gefoltert. Er wurde in mehrere KZ inhaftiert, Colditz und Sachsenhausen, und musste mehrere Haftstrafen absitzen. 944 endete seine Haft und er kehrte nach Geithain zurück. Aufgrund seines anhaltenden Engagements in der Politik bekam Paul Weise zahlreiche Auszeichnungen und Anerkennungen. Paul Weise ging nach fortlaufender Arbeit als Rohrleger und Landarbeiter 1961 in Rente. Er wohnte bis 1946 in der Richard Höferstraße 2, der heutigen Eisenbahnstraße 2. In seinem letzten Lebensjahr zog er aus Gründen der Pflege bei seiner Tochter Gertrud einzog. Er verstarb am 19.10.1983.