Neulich in Bad Lausick: Polizei stoppt "Reichsbürger"

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19.

Juli
2012
Donnerstag

Laut Angaben der Polizeidirektion Westsachsen kam den Beamten bei einer Fahrzeugkontrolle ein "Reichsbürger" vor die Kelle. Der junge Mann, der wegen überhöhter Geschwindigkeit gestoppt wurde, hatte keine Papiere dabei - zumindest keine gültigen. Stattdessen übergab er den Beamten einen "Reichspersonalausweis" sowie einen "Reichsführerschein".

Diese Dokumente stellen selbsternannte "Reichsregierungen"[1] aus. Die behaupten, das Deutsche Reich würde neben der Bundesrepublik Deutschland weiterbestehen - und sie würden das Reich vertreten. Die erste der neuen "Reichsregierungen" entstand in den 1980er Jahren. Seitdem herrscht szeneintern jedoch keine Einigkeit mehr darüber, wer den Alleinvertretungsanspruch nun inne hat: inzwischen gibt es ein breites Spektrum an verschiedenen "Reichsregierungen", die größtenteils aus Spaltungen hervorgingen[2]. Es eint diese Bewegungen, dass sie Tummelplatz für Neonazis, Holocaustleugner_innen und Geschichtsrevisionist_innen sind. Neben der internen Debatte, wer nun die wahre "Reichsregierung" sei, scheinen die Reichsideologen vor allem Fanshops zu betreiben. Dort kann man unter anderem die entsprechenden Dokumente bestellen[3].

Wie sich bei der Fahrzeugüberprüfung in Bad Lausick herausstellte, hatte der rasende "Reichsbürger" seine bundesrepublikanische Fahrerlaubnis abgeben müssen - wegen des Konsums illegalisierter Substanzen. Ob es sich um Substanzen handelte, die auch im Deutschen Reich verboten waren, ergibt sich aus der Mitteilung der Polizei nicht.

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[1] Ein kurzer Überblick beim Netz gegen Nazis
[2] Aufschlussreich dazu der watchblog "angereichert"
[3] Obwohl die "Reichsregierungen" selbst innerhalb der Neonaziszene umstritten und deswegen sehr kleine und sektenartig organisierte Gruppen sind, informiert inzwischen sogar eine umstrittene bundesrepublikanische Behörde in Brandenburg über das Phänomen. Der Verfassungsschutz in Brandenburg: "Wie Extremisten versuchen, aus der Erde eine Scheibe zu machen"