Neulich in Leipzig: Ausländische Mitbürger, Polizeiberichte und ein Ausraster

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16.

April
2010
Freitag

Am 16. April gab die Polizeidirektion Leipzig eine Pressemitteilung heraus, in der über den räuberischen Übergriff eines Kunden auf einen Ladenbetreiber in Reudnitz berichtet wird. Darin heißt es unter anderem:

:"Ein ausländischer Mitbürger (33) ließ in einem Geschäft in der Prager Straße, Leipzig-Reudnitz Passfotos für seine Ehefrau (29) anfertigen. Danach bezahlte er den verlangten Preis von zehn Euro. In einem anderen Laden erfuhr er, dass dort für diese Dienstleistung nur die Hälfte verlangt würde. Offenbar aus Wut ging er zum anderen Geschäftsinhaber (36) zurück und verlangte die Herausgabe von fünf Euro. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, schlug er auf den Mann, der verletzt wurde, ein. Dieser übergab aus Angst vor weiteren Repressalien das Verlangte und rief dann die Polizei. Beamte des zuständigen Reviers nahmen den Wüterich vorläufig fest.“

Der Täter wird als "ausländischer Mitbürger" bezeichnet. Es besteht jedoch überhaupt kein begründbarer Sachbezug in der Nennung der Nationalität bzw. der nichtdeutschen Nationalität des Täters zum Verständnis des Vorgangs. Weder gibt es einen Zusammenhang zwischen dem nicht-"Deutsch-sein" des Täters und der Tat, noch kann der Hinweis bei der Ergreifung des Mannes behilflich sein - er wurde bereits festgenommen. Die besondere Betonung der Nationalität schürt Vorurteile gegen Minderheiten und könnte selbst schon als Ausdruck bestehender Vorurteile betrachtet werden.

Korrekt hat sich diesmal die LVZ verhalten. Sie übernahm die Informationen aus der Pressemitteilung der Polizei, außer dem Hinweis auf die nichtdeutsche Nationalität. Sie hielt sich damit an die Richtlinie 12.1 des Pressekodex, in der es heißt:

:"In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte."

Quelle: 

PM der PD Leipzig vom 16.04.2010, Richtlinie 12.1 des Pressekodex