Neulich in Leipzig: Polizeigewalt am Rand einer Konferenz

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7.

Oktober
2017
Samstag

In Leipzig findet die dreitägige Konferenz "Selbstbestimmt und Solidarisch" statt. In der Nacht von Samstag zu Sonntag kommt es zu einer gewaltsamen Polizeikontrolle von zwei Referenten aus Kamerun.

Die beiden Männer sind für das Wochenende in der Wohnung einer Tagesmutter untergebracht. Nachbarn halten die beiden für Einbrecher und rufen die Polizei. Als die Polizei dort eintrifft, geht sie mit Gewalt gegen die beiden Männer vor, die nach eigenen Angaben schon schliefen und nach mehrmaligem Klingeln im Schlafanzug die Tür öffnen. Die Polizisten fordern lautstark nach Ausweisen und Aufenthaltstiteln und legen einem der Männer Handschellen an. Der Betroffene berichtet, dass ihm die Finger verdreht wird, er in den Würgegriff genommen wird und ein Polizist beim Handschellenanlegen versucht, ihm sein Knie in den Unterleib zu rammen. Die Referenten beteuern, dass sie sich gesprächsbereit und ruhig verhalten haben und zur Aufklärung des Irrtums beitragen wollten. Die Polizei hätte jedoch direkt mit Gewalt reagiert. Erst als der Organisator der Konferenz eintrifft und die Sachlage erklärt, lassen die Polizisten von den beiden ab.

Die Polizei wehrt sich in einer Pressemitteilung gegen den Vorwurf rassistisch gehandelt zu haben und gegen die beiden Männer aufgrund ihrer Hautfarbe vorgegangen zu sein. Sie behauptet, dass erst Gewalt angewendet wurde, als einer der Männer aggressiv reagiert habe, weswegen ihm kurzzeitig Handschellen angelegt wurden. Diese Aussagen stehen im krassen Widerspruch mit den Erlebnisberichten der Betroffenen und wurden vom Organisationsteam der Konferenz, als auch von den beiden Betroffenen entschieden zurückgewiesen.

Quelle: 

afrique-europe interact vom Winter 2017/2018 (Nr. 8): "»Pass! Aufenthaltstitel! Pass!«" (S. 4)
PM der PD Leipzig vom 10.10.2017: "Die Leipziger Polizei ist nicht rassistisch!"
Chronik der RAA Sachsen: "Polizeigewalt am Rand einer Konferenz"