Neulich in der LVZ: Nicht-deutsche Herkunft mit Kriminalität in Verbindung gebracht

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13.

Januar
2011
Donnerstag

Die Leipziger Volkszeitung (LVZ) kann es einfach nicht lassen: Wenn die Polizei in ihrer täglichen Presseinformation die (mutmaßliche) nicht-deutsche Staatsangehörigkeit eines Tatverdächtigen erwähnt, übernimmt die Zeitung das in der Regel penibel. Auch dann, wenn dies nichts zum Verständnis des Vorfalls beiträgt.

So etwa in einer Meldung aus Krostitz (Landkreis Nordsachsen). Dort wurde am Dienstagabend ein "29-jähriger Pole [...] durch die Polizei in Gewahrsam genommen", heißt es in der Delitzsch-Eilenburger Lokalausgabe der LVZ vom 13. Januar. In der Polizei-Mitteilung war von einem "aus Polen stammende[n] 29-Jährige[n]" die Rede. Gegen ihn werde wegen Hausfriendensbruch, Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte ermittelt. Der alkoholisierte Mann sei Anwohner_innen gegenüber aggressiv aufgetreten und einem Platzverweis durch die Polizei nicht nachgekommen. Gegen die dann folgende Ingewahrsamnehmeung habe er sich gewehrt. Was das mit seiner polnischen Herkunft zu tun hat, bleibt völlig unklar.

Die nicht-sachgerechte Verknüpfung von Kriminalität mit nicht-deutscher Herkunft fördert und festigt bestehende rassistische Vorurteile über "Ausländer" in der Bevölkerung. Der Pressekodex des Deutschen Presserates verlangt daher: "In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte." (Richtlinie 12.1 des Pressekodex)

Der geforderte "begründbare Sachbezug" bei der Nennung von ethnischer oder nationaler Zugehörigkeit fehlt in den Artikeln der LVZ über Kriminalität häufig. Wegen der pauschalen, ethnisierenden Berichterstattung über den so genannten "Disko-Krieg" hatte das Antidiskriminierungsbüro Sachsen (ADB) Ende 2007 beim Presserat eine Beschwerde über die LVZ eingereicht, die dieser jedoch im April 2008 ablehnte. Zur Kritik an der Zeitung in diesem Zusammenhang siehe auch: Kontext und Bedeutung von »Leipzig toleriert… ein Zentralorgan«.

Quelle: 

PM der PD Westsachsen vom 12.01.2011 (Revier Delitzsch), LVZ Delitzsch/Eilenburg vom 13.01.2011 (S.19)