Neulich bei der Polizei: "Racial Profiling" und Verstoß gegen Pressekodex

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18.

März
2011
Freitag

Die Polizeidirektion Westsachsen berichtet in einer Pressemitteilung am Freitag von einem Kabeldiebstahl der sich in Neukieritzsch ereignet haben soll. Dieser wird in Zusammenhang mit einem "polnischen Transporter" gebracht, der in Brandenburg in eine Kontrolle der Autobahnpolizei geraten war.

"Borna. Durch Beamte des Autobahnpolizeireviers Michendorf (Brandenburg) wurde am 18.3.2011, gegen 2.00 Uhr ein polnischer Transporter gestellt, in dem sich mehrere Kabel befanden. Sofort erfolgte eine Umfrage, wo diese Kabel entwendet wurden. Gegen 6.45 Uhr erstattete ein Mitarbeiter des Neukieritzscher Bauhofs Anzeige über einen Kabeldiebstahl. Die Ermittlungsarbeiten sind noch nicht abgeschlossen."

Die Pressemitteilung legt nahe, dass die Kontrolle des Transporters auf Grund der (vermeintlich) nicht-deutschen Herkunft des Transporters stattgefunden habe. Auf die zunächst lapidare Feststellung, dass sich "mehrere Kabel [in dem Auto] befanden", folgt der Satz: "Sofort erfolgte eine Umfrage, wo diese Kabel entwendet wurden.", sowie der Hinweis auf die Anzeige eines Diebstahls in Neukieritzsch.

Mit dieser Art der Berichterstattung suggeriert die PD Westsachsen, dass ein mit Kabeln beladener, aus Polen stammender Transporter in höchstem Maße einer Straftat verdächtig sein muss. Dies erinnert an eine Praxis rassistischer Sicherheitskontrollen, die auch Racial Profiling genannt wird. Der Hinweis auf die Herkunft des Autos bzw. des Fahrers ist darüber hinaus dazu geeignet, bestehende rassistische Vorurteile in der Bevölkerung über Polen zu fördern und zu festigen.

Der Pressekodex des Deutschen Presserates verlangt dagegen: "In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte." (Richtlinie 12.1 des Pressekodex)

In dem Artikel "Polizeimeldungen dokumentiert!", in der aktuellen Ausgabe der "Leipziger Zustände - News" (Frühjahr 2011), wird die Sprachpraxis in den Berichterstattungen der Polizei, die immer wieder zu Diskussionen über Rassismus und Diskriminierung veranlasst, kritisch begleitet.