Neulich bei der Polizei: Verstoß gegen den Pressekodex

Druckeroptimierte VersionAls Email versenden

20.

Juni
2011
Montag

Die Polizeidirektion Leipzig informiert in ihrer Pressemitteilung vom 20. Juni von einem Vorfall am 18. Juni. Es wird über den Diebstahl einer Handtasche berichtet, den eine Zeugin bei der Polizei meldete. Daraufhin wurde ein Mann festgenommen, auf den Beschreibung der Zeuginnen zutrafen. Der Tatverdächtige sei, so wird es in der Pressemitteilung der Polizei ausgeführt, ein "Tunesier, der sich hier mit Duldung aufhält".

Die in der PM aufgeführte Tat steht jedoch in keinerlei erkennbarem Zusammenhang mit der Herkunft des Tatverdächtigen. Erst recht gilt dies für den rechtlichen Aufenthaltsstatus des mutmaßlichen Täters.

Das Problematische daran: Die nicht-sachgerechte Verknüpfung von Kriminalität mit der zugeschriebenen nicht-deutschen Herkunft fördert und festigt bestehende rassistische Vorurteile in der Bevölkerung über "Ausländer". Der Pressekodex des Deutschen Presserates verlangt daher: "In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte." (Richtlinie 12.1 des Pressekodex)