"No Homo, verstehste!" - Homophobie und Sexismus bei Hiphop-Konzert im Kohlrabizirkus

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5.

Oktober
2013
Samstag

Bei seinem Konzert im Leipziger Kohlrabizirkus legte der sich gern als Gangster inszenierende Berliner Möchtegern-Rapper Bushido auf eine Klarstellung besonderen Wert: Seine derzeitiger Protegé Shindy, mit dem er sich die Bühne teilte, sei lediglich ein "guter Freund, no homo, verstehste!" Nicht dass jemand auf falsche Gedanken kommt. Immerhin hatten die beiden im Sommer mit dem Lied "Stress ohne Grund" für einen (kalkulierten) Skandal gesorgt. Wegen Textzeilen wie "Es ist ganz normal, Männer lutschen keine Schwänze", "Du Schwuchtel wirst gefoltert" und Mord- sowie Gewaltdrohungen gegen Politiker wie Klaus Wowereit und Claudia Roth wurden das Lied und das dazugehörige Album schnell von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert: "Das Gremium stufte Inhalte der CD als jugendgefährdend ein, weil sie verrohend wirken, zu Gewalttätigkeiten anreizen und Frauen und Homosexuelle diskriminieren."

Im Kohlrabizikrus störte sich natürlich niemand an derartigen homophoben und sexistischen Gewaltphantasien. Ein LVZ-Autor, der sich diese "HipHop-Konzert-Simulation mit dem Rapper-Darsteller Bushido" angetan hatte, obwohl die Presse offiziell nicht erwünscht war, berichtet zudem, dass das WLAN-Netzwerk in der Veranstaltungshalle passenderweise die Bezeichnung "Geile_Ferkel_Sau" trägt. "So was kann man sich gar nicht ausdenken", lautet der trockene Kommentar dazu.

Bushido ist übrigens Träger des "Bambi-Integrationspreises" 2011 und hat im Juni 2012 medienwirksam ein Praktikum bei dem CDU-Bundestagsabgeordneten Christian Freiherr von Stetten absolviert. Was Homophobie und politische Kontakte angeht, ist Bushiodo wirklich bestens integriert.

Eine passende Antwort auf die (nicht nur) in der HipHop-Szene verbreitete Selbstversicherungs- und Abgrenzungsparole "No Homo" haben die Sänger_innen Sookee und Tapete bereits 2010 mit ihrem Track "Pro Homo" gegeben. Darin heißt es unter anderem: "Wie kann man nur hassen, dass Menschen sich lieben, die Normalität wünscht sich endlich Frieden".

Quelle: 

LVZ vom 06.10.2013, chronik.LE