NPD Leipzig kürt Kandidaten zur Stadtratswahl 2014

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17.

Januar
2014
Freitag

Laut eigenen Angaben hat der NPD-Kreisverband Leipzig am Freitag seine Kandidaten und Kandidatinnen für die Stadtratswahl am 25. Mai bestimmt. In den zehn Wahlkreisen würden insgesamt 21 NPD-Vertreter kandidieren. Bei der Kommunalwahl vor fünf Jahren waren es noch zwei mehr. Als Themen für den Wahlkampf werden "natürlich die Asylanten-Flut, die Kriminalitätsexplosion und der provokante Moscheebau in Gohlis" genannt.

Im Gegensatz zur Kandidaten-Kür in anderen Städten und Gemeinden hält sich die Leipziger NPD mit konkreten Namen noch bedeckt. Lediglich der seit seiner Haftentlassung im Jahr 2012 regelmäßig für die Nazi-Partei und ihre Jugendorganisation JN öffentlich in Erscheinung tretende Alexander Kurth brüstet sich auf seiner Facebook-Seite selbst mit seiner Kandidatur im Wahlkreis 9.

In diesem Wahlkreis im Leipziger Norden hatte sich 2009 noch der aus dem gewalttätigen Fußball-Milieu stammende Enrico Böhm (Lok-Fangruppierung "Blue Caps LE") für die NPD um ein Mandat bemüht, es jedoch knapp verfehlt. Erfolgreicher war die Partei im Leipziger Osten, wo sie in Gestalt von Rudi Gerhardt (WK 1) und Klaus Ufer (WK 2) zwei Mandate erringen konnte. Gerhardt hat die Nazi-Partei dann nach drei Jahren aus unbekannten Gründen verlassen, seinen Sitz im Stadtrat aber behalten. Inzwischen klagt er sogar gegen die Bezeichnung als "Nazi" durch eine Linke-Stadträtin.

"Nationaler Angriff" im "roten Leipzig"?

Einen leichten Stand haben die Neonazis in Leipzig also nicht. Der frisch gekürte Kandidat Kurth bemängelt bei Facebook gar einen "Nationalen Stillstand", den er in einen "Nationalen Angriff" überführen möchte. Mit seinem Wahlkampf wolle "im roten Leipzig für Aufregung sorgen". Beinahe beschwörend heißt es in seiner ebenfalls bei Facebook veröffentlichten "Antrittsrede" (Rechtschreibung unverändert): "Jeden Kameraden muß bewußt sein das Sachsen mit Leipzig steht oder fällt." Kurth sieht sich in der Stadt von einer "antideutsche[n] Brandung" umgeben, gegen die er "wie ein Fels" stehen will. Zuvor saß der einst auch als "Regionalverantwortlicher" des neonazistischen "Kampfbundes Deutscher Sozialisten" (KDS) firmierende Mitdreißiger mehrere Jahr im Gefängnis, u.a. wegen eines Überfalls auf den Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel im Jahr 2003.

Der KDS hat sich 2008 wegen Erfolglosigkeit aufgelöst. Und auch der verurteilte Gewalttäter Kurth versucht es nun offenbar mit etwas weniger handfesten Mitteln. An seinem faschistischen Gedankengut hat sich jedoch nichts verändert. So bezeichnet er das Stadtparlament, das er (als "erstes Angriffsziel") "möglichst in Fraktionsstärke entern" will, in antisemitischer Manier als "Knesset an der Pleiße", die dort wirkenden Stadträte als "Politbanditen", als "Vergewaltiger deutscher Interessen" und schließlich im Stile der Ungeziefermetaphorik der Nationalsozialisten als "Läuse im Filz der korrupten Politik im Leipziger Rathaus".

Quelle: 

NPD Sachsen vom 21.01.2014, Facebook-Seite von A. Kurth vom 19.01.2014, Gamma-Blog vom 08.08.2012 (zum ersten öffentlichen Auftritt von Alexander Kurth bei einer NPD-Kundgebung im Sommer 2012), Blog von Juliane Nagel vom 21.12.2013 (zur Reaktivierung der NPD Leipzig)