Politisch engagierte Frauen werden zum Ziel männlicher Agression

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8.

März
2021
Montag

Am 8. März findet jährlich der sog. "Frauentag" statt, der von progressiven Akteur_innen auch als feministischer Kampftag gefeiert wird, so auch in Leipzig. Anlassbezogen bereiten drei Frauen in Plagwitz an jenem Montag eine angemeldete Kundgebung vor und hängen Materialien und Banner im Karl-Heine-Park auf. Um die Mittagszeit passiert ein unbekannter männlicher Radfahrer im mittleren Alter den Park. Als er auf Höhe von zwei der drei Frauen ankommt, die gerade ein Banner aufhängen, beschimpft er sie mit der Rhetorik der "Feminazis" (siehe unten). Daraufhin entsteht eine Auseinandersetzung, in der die Frauen konstruktiv und in ruhigem Ton argumentieren, woraufhin der Radfahrer sich rassistisch äußert und davon fährt. Auf die Bemerkung, seine Aussagen sind rassistisch, kehrt er um und fährt auf die Frauen zu, um sie verbal agressiv anzugehen. Nachdem eine der Betroffenen ihm nahelegt, kein Wissen zum Thema zu haben und gehen zu sollen, beschädigt und zerstört der Unbekannte einen von der Stadt Leipzig aufgehängten Hinweis, der auf Schutzmaßnahmen gegen die Covid-19-Pandemie verweist, und einen Teil des Banners, das die Frauen aufhängen. Als er schließlich fährt, versucht er die Leiter umzuschubsen, auf der gerade eine der Frauen steht. Nur knapp entgeht sie einem Sturz.

"Feminazi"
Feminazi ist ein Kampfbegriff, der hauptsächlich in der extremen Rechten verwendet wird. Er hat eine verleumnende und diffamierende Funktion. Auf Basis der Fantasie, Feminist_innen seien die neuen Nazis und würden mittels eines diktatorischen Regimes alles "nicht-feministische" unterdrücken wird so zweierlei geschaffen: 1) eine Relativierung des Nationalsozialismus, weil der Begriff suggeriert, "Feminazis" würden eine Ausrottung durchführen, die der systematischen Vernichtung von 6 Millionen Juden_Jüdinnen in der Shoah gleicht und 2) wird dadurch ein Szenario suggeriert, in dem der Agressor - in diesem Fall der Radfahrer - als vermeintlich Unterdrückter, Verfolgter erscheint. Durch diese Umkehrung des Machtverhältnisses - Frauen, die zum feministischen Kampftag ihre Stimme erheben und auf Ungleichheit und Ungleichbehandlung hinweisen und dem agressiven Radfahrer, der schließlich auch gegen die Frauen gewalttätig wird - schafft sich der Täter eine Legitimation für seine Handlung und Aggression. Als vermeintlich Unterdrückter "reicht es ihm" (Zitat), er habe "keinen Bock mehr" und setze sich nun "zur Wehr". Dass er während der verbalen Auseinandersetzung auch rassistische Hirngespinste heranzieht, verdeutlicht einmal mehr den Zusammenhang verschiedener Ideologien - Antifeminismus bzw. Sexismus, Rassismus, Verschwörungsfantasien - wie sie im sogenannten "Rechtsextremismus" zusammenkommen.

Quelle: 

chronik.LE