"Pro Deutschland"-Chef Manfred Rouhs referiert konspirativ bei "Pro Sachsen"

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4.

August
2012
Samstag

Der Vorsitzende der rechten Kleinpartei "Pro Deutschland", Manfred Rouhs, hat bei der dieser nacheifernden Kleinstpartei "Pro Sachsen" einen Vortrag zum Thema "Perspektiven freiheitlicher Politik in Sachsen" gehalten. Die Veranstaltung mit dem früheren NPD-, "Republikaner"- und "Deutsche Liga für Volk und Heimat"-Funktionär, der zum gleichen Thema bereits am 19. Mai in Dresden gesprochen hatte, sollte ursprünglich im Gasthof "Zum Schwarzen Ross" im Leipziger Ortsteil Liebertwolkwitz stattfinden. Nach öffentlichen Berichten bzw. Anfragen dazu lud der Wirt die Pro'ler jedoch wieder aus.

Daraufhin sagte "Pro Sachsen" die Veranstaltung Anfang Juli auf ihrer Homepage ab. Konspirativ fand diese jedoch trotzdem statt - "[z]ahlreichen politischen Widerständen zum Trotz", wie später triumphierend verkündet wurde. Als Retourkutsche wird in der Erklärung auch verraten, dass der "Schwarzes Ross"-Gastwirt doch "sehr genau über den politischen Charakter der bei ihm geplanten und schließlich verlegten Versammlung informiert" gewesen sein soll und "Pro Sachsen" zuvor schon mal einen Versammlungsraum zur Verfügung gestellt habe.

Teilgenommen hätten an dem Treffen neben dem "Pro Sachsen"-Vorsitzenden Joachim Hertrampf und weiteren Mitgliedern bzw. Unterstützer_innen der selbsternannten "Bürgerbewegung" vor allem "Funktionsträger der Deutschen Sozialen Union" (DSU), darunter mit dem ehemaligen Leipziger Stadtrat Karl-Heinz Obser der langjährige Landesvorsitzende dieser rechtskonservativen Partei.

"Pro Sachsen" wurde im Februar 2011 in Kamenz gegründet. An der Sammlungsbewegung beteiligen sich rechte Splitterparteien wie die DSU, Hertrampfs "Freiheitliche Partei Deutschlands" (FPD), die "Sächsische Volkspartei" (SVP) des einstigen NPD-Landtagsabgeordneten Mirko Schmidt sowie das "Bündnis Arbeit, Familie, Vaterland" des einstigen CDU-Bundestagsabgeordnten Henry Nitzsche. Letzterer war zunächst auch Vorsitzender von "Pro Sachsen", aus dem er jedoch bald wieder austrat, da der Verein "zunehmend von der NPD unterwandert" sei.

Nicht bei "Pro Sachsen", dafür aber auf der Homepage von "Pro Deutschland", ist zudem zu erfahren, dass der Vorstand von "Pro Sachsen" im Anschluss an Rouhs' Gastauftritt sogleich die "Vereinsauflösung noch im laufenden Jahr und die Überführung des eigenen Potentials in die Bürgerbewegung pro Deutschland" beschlossen habe.

Bereits im August 2010 hatte Rouhs bei einem DSU-nahen Gesprächskreis in Leipzig für sein Konzept einer neuen rechten Wahlplattform jenseits der CDU unter Ausschluss offen neonazistischer Kräfte geworben. Zuletzt hatten DSU und andere rechte sächsische Splitterparteien immer mehr an Bedeutung (und Mandaten) verloren. Zumindest bei deren Überresten, in denen immer wieder auch frühere NPD-Mitglieder mitmischen, scheint er damit anzukommen.

Siehe zum Thema auch dieses chronik.LE-Dossier vom März 2011 zu den "Sammlungsversuchen am rechten Rand" sowie den Artikel "Der Versenkung nahe: Sachsens Rechtsparteien in der Krise" im Gamma Nr. 189.

Quelle: 

L-IZ vom 10.07.2012, "Pro Sachsen"-Blog vom 01.07., 06.07. und 06.08.2012, "Pro Deutschland"-Homepage vom 10.08.2012, "NRW rechtsaußen" vom 22.08.2010