Professor Kern beauftragt Anwalt mit Verbindungen zur Neonazi-Szene

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11.

Januar
2010
Montag

Laut Leipziger Internetzeitung beauftragte Prof. Bernd-Rüdiger Kern, der Jura an der Universität Leipzig lehrt, den Chemnitzer Rechtsanwalt Martin Kohlmann mit der Vertretung seiner Interessen in einem Rechtsstreit mit Dr. Volker Külow (Die Linke). Kern erhofft sich anwaltliche Unterstützung gegen Külows Vorwürfe der "Menschenverachtung" und "Deutschtümelei". Brisant ist die Anwaltsauswahl, da Kohlmann seit Jahren gute Kontakte in die sächsiche Neonaziszene unterhält.

Kern wurde im Oktober 2009 vorgeworfen, in seinen Lehrveranstaltungen Werbung für Burschenschaften gemacht zu haben. Studierende, die sich daraufhin kritisch äußerten, sollen von Kern als "Kommunistenschweine" beschimpft worden sein. Nach Intervention des StudentInnenrates der Uni Leipzig gegen den Professor schaltete sich auch der Landtagsabgeordnete Volker Külow als Unterstüzer für den studentischen Protest in die Debatte ein. In einer Pressemitteilung warf er Kern menschenverachtendes Gedankengut und deutschtümelnde Indoktrinationsversuche vor. Kern erstattete daraufhin Anzeige wegen Verleumdung gegen den Landtagsabgeordneten.

In dem nun folgenden Zivilrechtsstreit will sich Kern mit Martin Kohlmann offenbar von einem Anwalt vertreten lassen, der seit Jahren in neonazistische Aktivitäten verwickelt ist. So warf Kohlmann im Jahr 2000 dem damaligen Chemnitzer Oberbürgermeister Peter Seifert (SPD) vor, einen Luftangriff auf die Stadt Chemnitz verniedlicht zu haben, da dieser nicht von einem Massenmord sprach. Vier Jahre später organisierte Kohlmann ein Konzert mit Frank Rennicke, einem in der Neonaziszene bekannten Liedermacher und Bundespräsidentschaftskandidat der NPD. Als Mitbegründer der "Bürgerbewegung Pro Chemnitz" trat Kohlmann 2006 von den Republikanern zur DSU über, wo er später auch Kern persönlich kennen lernte. Im Herbst 2008 nahm er gemeinsam mit mutmaßlichen Angehörigen des "Freien Netz Chemnitz" an einem Aufmarsch der "Nationalen Sozialisten Zwickau" teil. Im März 2009 meldete er in Chemnitz eine braune Gedenkdemo an, zu der unter anderem Vertreter des JN-Stützpunkts Leipzig anreisten.

In einem Interview mit der Leipziger Internetzeitung am 11.01.2010 wurde Bernd-Rüdiger Kern mit den neonazistischen Umtrieben seines Anwalts konfroniert. Daraufhin gibt sich der Professor ungläubig und ahnunglos. Angesichts der Sachlage räumt er allerdings ein, seine Entscheidung, Kohlmann mit dem Mandat zu betrauen, nochmal zu überdenken.