Querdenken-Demonstration in Leipzig

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7.

November
2020
Samstag

Deutschlandweit kommt es seit Beginn der Corona-Pandemie immer wieder zu Protesten gegen die verhängten Maßnahmen, die zur Eindämmung des Virus dienen und eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindern sollen. Neben Menschen mit durchaus berechtigten Anliegen, fanden sich zu diesen Protesten von Anfang an Anhängerinnen verschiedenster, teils antisemitischer Verschwörungstheorien, Vertreterinnen der sogenannten Neuen Rechten, Mitglieder und Anhänger*innen alter und neuer rechter Parteien, Hooligans und Neonazis zusammen.

Mehrere zehntausend Personen beteiligen sich an verschiedenen Querdenken-Versammlungen im gesamten Stadtgebiet Leipzigs. Zunächst findet unter Beteiligung des Leipziger Organisationskreises um Karsten Wolf und Angelika Eysermans ein Auto- und Fahrradkorso von der Alten Messe aus statt. Dieser wird von einem Traktor sowie mehreren als "Friedensfahrzeugen" in Polizeioptik beklebten Pkw angeführt. Der Korso wird durch antifaschistische Gegendemonstrantinnen teilweise aufgehalten und verzögert.
Auf dem Augustplatz sammeln sich ab mittags tausende Demonstrierende. Das Oberverwaltungsgericht Bautzen hatte ein zuvor verhängtes Demonstrationsverbot gekippt und eine auf 16.000 Teilnehmer_innen limitierte Versammlung auf dem Platz genehmigt. Unter den Demonstrierenden befinden sich zahlreiche Protagonisten der Neonazisszene sowie der selbsterklärten "Neuen Rechten". Vertreter der AfD sind ebenso zugegen wie die "Jungen Nationalisten" (JN). Dazu kommen Hooligans zahlreicher Fußballvereine sowie rechte Youtuber
innen und Verschwörungsideologinnen.
Für eine Dauer von etwa drei Stunden befinden sich die Versammlungsteilnehmer_innen auf dem Augustusplatz und den umliegenden Straßen. Am Rande der Versammlung kommt es zu mehreren Auseinandersetzungen und Angriffen auf Journalist
innen. Ein bekannter Hallenser Neonazi und ehemaliges Blood&Honour-Mitglied und dessen Partnerin schlagen beispielsweise gezielt auf einen Journalisten ein. In diesem Zusammenhang fiel auch der weitverbreitete Vorwurf der "Lügenpresse". An der Mensa der Universtität greifen Neonazikampfsportler des Bushido Free Fight Teams Gegendemonstrant_innen unter anderem mit Messern bewaffnet an. Hooligans aus der Fanszene des FC Lokomotive Leipzig bedrängen die Polizei und sind bei einem Angriffsversuch in der Querstraße in der ersten Reihe.
Den Behörden gelingt es nicht die Versammlung wegen Verstößen gegen die Corona-Schutzverordnung aufzulösen. Ein erheblicher Anteil von Polizeikräften konzentriert sich auf den Gegenprotest, der sich auf den Leuschner-Platz konzentriert. Unter starker Beteiligung der anwesenden Hooligans und Neonazis drängen die Corona-Leugner_innen auf den Innenstadtring. Schließlich können sie eine Demonstration auf dem Ring durchsetzen. Dabei attackieren sie die Polizei, Journalist*innen und Gegendemonstrant_innen. Wegen einer Blockade der Gegendemonstrant_innen können sie den Ring nicht gänzlich umrunden.

Quelle: 

chronik.LE
RAA Leipzig