Rassistische Blackface Werbung für den "Ba-Hu-Fasching"

Druckeroptimierte VersionAls Email versenden

11.

November
2010
Donnerstag

Der "BaHu-Elferrat" der HTWK Leipzig warb mit einem "Blackface"-Plakat für seine Faschingsveranstaltung am 11.11. Beim sogenannten "Blackfacing" handelt es sich um eine rassistische Praxis, bei der sich weiße Menschen als Schwarze Menschen "kostümieren" und sich entsprechend rassistischer Klischees verhalten.

"Blackfacing" geht auf eine rassistische Tradition des 19. Jahrhunderts zurück, bei der sich in Nordamerika weiße Menschen für kurze Bühnenstücke mit schwarzer Farbe bemalten und sich entsprechend ihrer Vorstellungen übertrieben gut gelaunt, tollpatschig, naiv oder auch devot verhielten. Sie reproduzierten damit rassistische Stereotype Weißer über Schwarze Menschen. Die Praxis des "Blackfacing" spielte auch in weiteren Unterhaltungsmedien wie Spiel- und Trickfilmen, Comics sowie Werbeanzeigen und Produktetiketten eine Rolle. Auch in europäischen Staaten mit Kolonialgeschichte, wie etwa Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden und auch in Deutschland, gibt es Beispiele für die Kontinuitäten solcher kolonialer Verhaltensmuster.

Bereits früh machte die media-watch-Organisation "Der Braune Mob" auf ihrem Blog auf diesen Fall rassistischer Praxis aufmerksam(hier ist auch das "Blackface"-Plakat dokumentiert). In einem öffentlichen Mailverkehr mit der Organisation distanzierte sich ein Verantwortlicher des "BaHu Elferrat e.V." zunächst von der Kritik: "Das Plakat unserer [...] Veranstaltung sollten zu keiner Zeit dunkelhäutige Personen
als Spaßmacher im Sinne vielleicht gängiger Klischees überbetont werden." Anschließend wurde übergangslos und umfassend(er) auf die vereinsinterne Entstehungsgeschichte des gewählten Mottos und des Motivs eingegangen:

"Der Elferrat hat unbeachtet eventueller Klischeevorstellungen schon immer bekannte Musikstücke hergenommen, um sie für karnevalistische Zwecke auf studentische Themen umzuschreiben. In diesem Jahr traf dieses Los auf Roberto Blanko's 'Ein bisschen Spaß muss sein' zu, [...]."

Sinngemäß heißt das: wir haben nach unseren bisherigen Prinzipien gehandelt, traditionell "unbeachtet eventueller Klischeevorstellungen"[!], und das Plakat sei letztlich als Spaß gemeint - ergo weder diskriminierend noch rassistisch. Entsprechend wurde das Plakat als zuvor "harmlos und gut" befunden. Auf die Kritik, bei dem Motiv handele es sich um ein "Blackface"-Plakat, also um nichts weniger als rassistische Praxis, reagierte das "BaHu"-Mitglied mit dem Hinweis, dass Plakatwerbung "niemals jeden Geschmack treffen" könne - für eventuelle Grenzüberschreitungen ("eine uns nicht bewusste und nicht gewollte Grenze"), spreche man sein Bedauern aus und entschuldige sich. Ein tatsächliches Verständnis für die Problematik rassistischer Praxis lässt die Antwort jedoch vermissen.

Auf den Rechtfertigungsversuch des Vereins und das Unverständnis bzw. dessen Uneinsichtigkeit reagiert eine Kritikerin unter anderem mit folgenden, weiterführenden Fragen und erklärenden Hinweisen:

"Es fragt sich außerdem, wen Sie denn mit Ihrem Plakat einladen bzw. ausladen möchten. Glauben Sie im Ernst, dass Schwarze Deutsche oder Schwarze ausländische Student_innen Lust auf so einen Fasching haben könnten?
Und was, glauben Sie, geht in Erstklässlern auf dem Schulweg vor, die an unzähligen dieser Plakate vorbeigehen? Was lernen die Weißen Kinder über die Darstellung Schwarzer Menschen? Was sehen die Schwarzen Kinder in diesem ulkigen Bild eines angemalten Weißen und was lernen sie dabei über
die Sicht der Mehrheitsdeutschen auf sich?"

Die Plakate wurden zeitnah nach erster Kritik zumindestens in den Liegenschaften der Universität Leipzig entfernt. Hier hatten sich unter anderem die Sprecher_innen des StudentInnenRates der Universität Leipzig mittels einer Stellungnahme der Argumentation und Meinung der Beschwerdeführerin angeschlossen. Im öffentlichen Raum und in den Räumlichkeiten der HTWK blieben sie allerdings unberührt.

Es bleibt dabei: "Rassismus ist kein Karnevalsspaß". Unter diesem Titel veröffentlichte der Verein Engagierte Wissenschaft eine umfassende und von vielen engagierten Initiativen unterzeichnete Stellungnahme zu dem "Blackface"-Plakat des "BaHu Elferrates". Darin heißt es unter anderem:

Es ist rassistisch, weil das Plakat auf Stereotype zurückgreift, die von Weißen geschaffen wurden, um Schwarze als einfältig herabzuwürdigen und auf diese Weise eine weiße Identität als rational und überlegen zu erfinden. Das Plakat ist rassistisch, weil es Schwarze entmenschlicht, nämlich aus ihnen Figuren macht, über die Weiße jederzeit verfügen können, um sich und andere Weiße zu bespaßen.

Weiterhin wird festgestellt:

Rassismus ist kein Problem allein von Neonazis. Darauf weisen unzählige WissenschaftlerInnen und politische Initiativen hin – und das keineswegs mit erhobenem Zeigefinger gegen vermeintlich Falschdenkende, sondern aus der selbstkritischen Einsicht heraus, dass Rassismus die Gesellschaft, in der wir leben, durchdringt und damit alle in ihr lebenden Menschen, uns alle, prägt. (ebd.)

Eben nicht nebenbei darf an dieser Stelle auch auf das Werbeplakat des Medifasching 2010 (13.11.2010) hingewiesen werden. Unter dem Motto "Das Ä-Team - Wir lieben es wenn ein Fasching funktioniert" wurde eine Adaption der Kultserie "Das A-Team" versucht. Der einzige Schwarze im Team, B.A. gespielt von Mr. T., wird auf dem Plakat auch dargestellt: durch eine schwarzgetünchte Weiße.