Rassistische Pressemitteilung der Polizei und Applaus der AfD

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10.

Juli
2017
Montag

Die Leipziger Polizei veröffentlicht eine Pressemitteilung, die von einer Frau handelt, die Schutz vor häuslicher Gewalt sucht. Die Betroffene ("augenscheinlich aus dem arabischen Raum entstammende Frau") versuchte sich hinter einem parkenden Auto zu verstecken und bekam daraufhin Hilfe einer Anwohnerin. Die offensichtlich häufiger auftretende Gewalt in der Beziehung der Frau nimmt die Leipziger Polizei zum Anlass einer Abhandlung über die Verschiedenheit von Kulturen zu verfassen: "Denn abgesehen vom allgemein rückständigen Frauenbild in weiten Gesellschaftsteilen des arabischen Sprachraums wendet ein Muslim die Gewalt gegen seine Ehefrau nicht zuletzt auf religiöser Basis an, auch wenn ihm der Koran hierbei kein schrankenloses Züchtigungsrecht einräumt. Sollten sich beispielsweise die Schilderungen der Syrerin bewahrheiten, hätte ihr Ehemann selbst diesen Bogen weit überspannt. Insgesamt offenbart sich hier wohl eine der Herausforderungen nachhaltiger Integrationsarbeit, denn ein über Jahrhunderte geprägtes, gelebtes, erfahrenes und in der Religion verankertes Frauenbild geht auf der Suche nach einem sicheren und besseren Leben nicht irgendwo auf dem Balkan verloren und es wird auch nicht bei der Überfahrt ins Mittelmeer geworfen. Es reist mit, wird fortgelebt und wird sich nicht binnen Monaten westlich-europäischen Standards anpassen." Die Pressemitteilung ist mit dem Titel "Artikel 3 und 4 Grundgesetz vs. Sure 4:34“ versehen. Einen ungenauen Tatzeitpunkt ("wohl alltäglich") sowie eine unkonkrete Ortsangabe ("andernorts in Deutschland") verstärken den Eindruck eines vermeintlich rückschrittlichen und frauenfeindlichen Islam.

Kurz darauf meldet sich der AfD-Abgeordnete (MdL Sachsen) Uwe Wurlitzer zu Wort und schlägt in eine ähnliche Kerbe. Er konstatiert: "Noch immer brechen Massen von triebgesteuerten, nymphomanen Asylbegehrer in unser Land, noch immer genügt nur ein kurzer Windstoß und ein hochgewehter Rock, um in ihnen Besitzansprüche zu wecken, noch immer behandeln sie ihre und unsere Frauen, als wären es Objekte, mit denen man machen könne, was man wolle. Da ist der Begriff ‚rückständig‘, den die Leipziger Beamten benutzt haben, fast noch zu beschönigend."

Aufgrund der Äußerungen der AfD fühlt sich die Leipziger Polizei zu einer Stellungnahme genötigt. Es wird versucht ein differenzierterer Blick auf den Islam zu zeichnen und sich von "nicht vorhandene[r] Islamophobie" distanziert. Der ursprünglichen Pressemitteilung wird ein "interpretativer Spielraum" unterstellt, welcher so nicht beabsichtigt gewesen sei. Abschließend distanziert sich der Verfasser der Polizei-Pressemittelung Andreas Loepki sowie der Polizeipräsident Bernd Merbitz von der Mittelung der AfD.

Quelle: 

Pressemitteilung der Polizei vom 10.07.2017