Rechte demonstrieren für "Frauenrechte"

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29.

Juli
2018
Sonntag

Die erst wenige Wochen zuvor gegründete Facebook-Seite "Frauen fordern" kündigt eine Kundgebung unter dem Motto "Wir Frauen fordern: Keine Gewalt in Deutschland" an. Diese soll auf dem Parkplatz vor der Industrie- und Handelskammer am Goerdelerring in Leipzig stattfinden.

Beworben wird die Demonstration u.a. vom Legida-Nachfolger "Bürgerbewegung Leipzig". Unterstützung bekommt die Demonstration durch die "Bikers for Womens" (Rechtschreibfehler im Original).
In einem wenige Tage vor der Kundgebung veröffentlichten Statement wird sich gegen eine "politische Vereinnahmung" gewehrt und die Ablehnung von "jegliche[m] Extremismus, egal ob von Links oder Rechts" formuliert.

Die "Bikers for womens" treffen sich mit ca. 30 Motorrädern, von denen viele aufgrund der Nummernschilder als Nicht-Leipziger zuzuordnen sind, an der Neuen Messe und fahren dann zum Kundgebungsort. Zusammen mit den zu Fuß angereisten Teilnehmenden finden sich am Ende zwischen 70 und 80 Personen bei der Kundgebung ein, ca. 2/3 der Anwesenden sind Männer. Einer der Männer trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift "Ehre deine Sippe, Liebe deine Frau, Beschütze deine Heimat, denn sie gehört deinen Kindern". Dazu trägt er einen bei Neonazis beliebten Thors Hammer als Halskette.

Insgesamt dauert die Kundgebung nur eine knappe halbe Stunde. Es sprechen drei Rednerinnen. Nach einer kurzen Einführungsrede kommt die nach eigenen Angaben aus Staufen (Baden-Württemberg) stammende Martina Böswald zu Wort. Sie war bis 2006 in der SPD aktiv und trat 2016 der AfD bei. Bei der Bundestagswahl 2017 trat sie als Direktkandidatin für den Wahlkreis 288 (Waldshut) an. Sie sagt, dass sie "vor allem Mutter" sei. In ihrer Rede geht es schwerpunktmäßig um die von ihr wahrgenommen Werte unserer Gesellschaft, die von anderen frauenfeindlichen Gesellschaften bedroht seien. Sie attestiert außerdem Geflüchteten aufgeschlossen gegenüber stehenden Menschen das Stockholm-Syndrom. Mit diesem wird in der Psychologie das Phänomen beschrieben, wenn Opfer von Geiselnahmen ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Entführern aufbauen. Bösewald hingegen ginge es um die "Entfernung alles störenden", was das sei wurde in ihrer Rede deutlich: Geflüchtete welche unser Land bedrohen würden.

Die dritte Rednerin ist die aus Meißen stammende Madeleine Feige. Sie war AfD-Mitglied (nach eigenen Angaben ausgetreten) und unterstützte in der Vergangenheit bereits mehrfach rassistische Initiativen und Demonstrationen (siehe u.a. die Recherchen der Sächsischen Zeitung vom September 2016 und Mai 2018). Mehrfach war sie auch als Rednerin bei Legida zu Gast. Sie fordert Familien und Frauen zu schützen, da der Staat versage und diesen Schutz nicht mehr garantieren könne. Mittlerweile gebe es "No-go-Areas" für Frauen, Kinder und Rentner. Sie sei stolz eine Frau zu sein und kein "gegendertes Eichhörnchen" und spricht sich in in ihrer Rede gegen "Genderwahn" aus. Wenn sie sich schon aussuchen könne wer sie sei, dann wäre sie eine deutsche Eiche, welche schließlich viel Kultur in sich trage. Sie schließt ihren Beitrag mit der Öffnung des Mikrophons. Die Einladung sich kurz zu äußern wird von keinem der DemonstrationsteilnehmerInnen angenommen. Nach knapp einer halben Stunde ist die gesamte Veranstaltung damit beendet.

Neben der Kundgebung hatte eine Gegenkundgebung von "Leipzig nimmt Platz" stattgefunden, an welcher sich etwa 100 Personen beteiligten.

Quelle: 
  • chronik.LE
  • Facebook-Seite "Frauen Fordern"
  • Facebook-Seite "Bürgerbewegung Leipzig"
  • Veranstaltung "Feminismus oder Schlägerei" von Leipzig nimmt Platz