SAD-Chef Oschkinat im Interview mit völkischem "Volkslehrer" Nerling

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18.

November
2020
Mittwoch

Das "Spektrum aufrechter Demokraten" (SAD) aus Nordsachsen veröffentlicht auf seinem Youtube-Kanal ein wenig gesehenes Video, in dem sich der Vereinsvorsitzende Sandro Oschkinat von dem als "Volkslehrer" bekannten Video-Blogger Nikolai Nerling interviewen lässt. Der ehemalige Grundschullehrer aus Berlin veröffentlicht seit 2017 Videos mit antisemitischen und verschwörungsideologischen Inhalten, darunter auch Interviews mit bekennenden Holocaustleugner_innen wie Ursula Haverbeck und Gerhard Ittner. Dem SAD ist offensichtlich bewusst, dass der "freundliche, freie Journalist", der spontan für ein Interview in ihrem Büro in Torgau zu Gast war, problematische Positionen vertritt. Diese werden als "streitbare und kritische Ansichten" verharmlost. Als SAD würden sie mit jedem reden, "der sich freundlich und ehrlich über unsere Ansichten und Ziele informieren will."

Sandro Oschkinat erzählt in dem 23-minütigen Video u.a., dass sein Verein aktuell 72 Mitglieder habe und seine Aktivitäten durch Spenden und Mitgliederbeiträge finanzieren würde. Die Gemeinnützigkeit habe der Verein nicht erhalten, weil er sich zu sehr mit Tagespolitik beschäftigen würden. Oschkinat äußert sich auch zum Verhältnis des SAD zur AfD, bei der er zeitweise selbst Mitglied war. Vom Engagement der Partei in Torgau zeigt er sich jedoch enttäuscht.

Nerling selbst hat auf seinem eigenen Kanal bereits am 13. November ein Video mit dem Titel "Traumhaftes Torgau" veröffentlicht. Bei seinem Spaziergang durch die "Reanissance- und Reformationsstadt Torgau an der Elbe" kommt er auch am SAD-Büro in der Nähe des Marktplatzes vorbei. Er filmt von außen die Plakate und Zitate von SAD-Mitglieder, die an den Fenstern hängen. Diese finden sein Lob, ganz anders als die Plakate und Aufkleber beim Linke-Büro gegenüber. Um was es sich beim SAD handelt, scheint ihm nicht ganz klar zu sein. Seine Vermutung: eine lokale Wählervereinigung. Das Interview mit Oschkinat ist nicht Teil des Beitrags, wird aber in einer Texteinblendung kurz angeteasert: "Es ist ein Verein und ich werde später noch das Glück haben, den Vorsitzenden zu sprechen!"

Das "Spektrum aufrechter Demokraten - Verein für Meinungsfreiheit und Demokratieförderung" ist seit Ende 2015 aktiv, die Gründungsversammlung fand im Januar 2016 in Mockrehna bei Torgau statt. Der mittlerweile auch als "sozialpatriotische Bürgerbewegung" auftretende Verein verfolgt einen Querfrontansatz und wendet sich explizit an "deutsche Arbeiter, Demokraten, Patrioten und Friedensaktivisten". Ein Motto lautet "Weg von Links und Rechts, hin zum Verstand!"

Das SAD hat 2017 mit Protesten bei einer Wahlkampfveranstaltung der CDU mit Angela Merkel in Torgau für Aufsehen gesorgt. Zu seinen eigenen Veranstaltungen hat Oschkinat anfangs Vertreter_innen verschiedener Parteien bis hin zur AfD eingeladen. Aber auch Mitarbeiter_innen des verschwörungsideologischen "Compact"-Magazins oder von Pegida und Legida waren gern gesehen Gäste. Sandro Oschkinat hat sich als AfD-Mitglied selbst erfolglos um die Nominierung als Direktkandidat für den Bundestag beworben, die Partei dann Ende 2018 wieder verlassen.

Quelle: 

Youtube-Kanal "Spektrum aufrechter Demokraten" vom 18.11.2020, "Volkslehrer"-Video vom 13.11.2020, chronik.LE