Selbstverteidigung nach misogynem Angriff

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30.

November
2019
Samstag

Am späten Abend laufen drei Männer mit einem Hund in Leipzig eine Straße entlang und unterhalten sich auf sexistische, herablassende Weise über Frauen.

Als eine Frau, die zum Ziel der verbalen Attacken der Gruppe wird, die Männergruppe bittet, die Bemerkungen zu unterlassen und weiterzugehen, leugnen die Männer zuerst, sich sexistisch geäußert zu haben. Im Anschluss daran beleidigen sie die Frau homosexuellenfeindlich und würdigen sie weiter herab. Als Form ihrer Herabwürdigung beziehen sie sich auf ihr "Frau sein".

Ein_e Anwohner_in beobachtet die Situation und fordert die Gruppe auf, die Frau in Ruhe zu lassen. Die Betroffene macht den Männern nunmehr unmissverständlich klar, dass sie mit ihren homosexuellenfeindlichen, sexistischen und misogynen Äußerungen aufhören sollen.

Die Männer machen sich zuerst über die Frau lustig, setzen ihre Beleidigungen fort und werden dabei zunehmend lauter, schließlich nähern sie sich ihr auf bedrohliche Weise. Zugleich fordern sie die Frau mehrfach auf, zuzuschlagen. Infolgedessen schlägt die Frau in Richtung der Männer, verfehlt ihr Ziel jedoch knapp.

Daraufhin packt einer der drei Männer die Frau und würgt sie mit dem Unterarm gegen eine Hauswand. Mit dem Rücken an der Wand beginnt die Frau sich zu verteidigen und tritt den Angreifer von sich weg. Dieser will sie erneut angreifen, woraufhin sie ihm einen Schlag versetzt. Der Mann mit dem Hund droht ihr mit der Polizei und versucht sie zugleich zu attackieren. Sie kann ihn und den ersten Angreifer durch wiederholte Schläge abwehren; hierfür nutzt sie die Hundeleine, die einer der Männer um den Hals trägt.

Der dritte Mann versuchte die gesamte Zeit, seine Freunde zum Weitergehen zu bewegen, und verspricht der Frau, dies nunmehr zu tun. Die Frau weist ihn daraufhin, dass dies von Beginn an ihr Wunsch war. Sie verlässt den Ort. Ein Mann versucht sie nochmals zu verfolgen, kann sie aber nicht mehr ausfindig machen.

Misogynie: Instrument zur Aufrechterhaltung der patriarchalen Ordnung
Da die Frau sich dem Auftreten der Männergruppe entgegenstellt und dieses kritisiert, versuchen diese, die Frau durch entwürdigende und verhöhnende Äußerungen sowie körperliche Gewalt zurechtzuweisen. Das Anliegen der drei Männer ist es dabei, der Frau ihren gesellschaftlich zugeschriebenen Platz entsprechend ihrer gesellschaftlich zugeschriebenen Rolle – passiv, hinnehmend und sexuell verfügbar – im Patriarchat zu zuweisen. Folglich versuchen die Männer, das Agieren der Frau, ihr Abweichen und Aufbegehren gegen patriarchale Strukturen, zu sanktionieren.

Hinter dem Handeln der Männer verbirgt sich somit ein misogyner Akt. Mehr zu Misogynie im Artikel "Einzelfall, tragisches Schicksal oder selbst Schuld? Frauenmorde und ihre rassistische Verwertung" (S. 40-42) von Naomi Shibata und Lena Kirsch in der 2019er Ausgabe der »Leipziger Zustände«.

Quelle: 

chronik.LE