Sexistische Werbung für den BaHu-Fasching in der Straßenbahn

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23.

Januar
2013
Mittwoch

Der traditionelle BaHu-Fasching hat in dieser Karnevalssaison erneut mit diskriminierender Werbung auf sich aufmerksam gemacht. In Anzeigen auf den Bildschirmen der LVB-Busse und -Straßenbahnen warben die Veranstalter des Faschings "BaHu 30plus" für ihre große Karnevalsparty mit einem großformatigen Foto eines weiblichen Dekolletés. Der plumpen Masche Aufmerksamkeit zu generieren, steht jedoch seit November 2012 ein Stadtratsbeschluss entgegen, mit dem sexistische Werbung in Leipzig zurückgedrängt werden soll.

Auf diesen Spot durch Leipziger Medien aufmerksam gemacht, forderte die LVB Ende Januar die BaHu-Veranstalter auf, den Spot nicht mehr auf Werbedisplays des städtischen Betriebs zeigen zu lassen. Diese wiederum äußerten in einer ersten öffentlichen Stellungnahme, dass sie keinerlei Verständnis für die Forderung nach dem Stopp sexistischer Werbung hätten. So war auf der Webseite des BaHu-Faschings unter anderem von "Provinzposse oder gar purer Wahlkampf um feminine Stimmen" die Rede. Weiterhin wird gemutmaßt, der Beschluss habe "sicher zahlreiche Steuergelder beziehende Beamte intensiv beschäftigt! Schön, das Gefühl zu haben, dass sich 'die da Oben' um die wichtigen Dinge des Lebens kümmern...".

Die Petition "Stoppt sexistische Werbung in Leipzig" hatte im Februar 2012 657 UnterstützerInnen gefunden und wurde daraufhin am 22.11.2012 im Leipziger Stadtrat behandelt. Dort wurde dem Anliegen der Petition grundsätzlich zugestimmt, jedoch festgestellt, dass die Stadt bereits in der Vergangenheit Beschlüsse zur Umsetzung der Forderungen getroffen hat, deren Inhalt nun erneut bestätigt wurde. Fachämter und Eigenbetriebe sind mit dem einstimmig angenommenen Beschluss aufgefordert "in Zukunft stärker auf frauenfeindliche und diskriminierende Aussagen von Werbung zu achten" und diese "diskriminierungsfrei zu gestalten".

Die Leipziger Initiative hatte ihre Petition zuvor wie folgt begründet: "Werbung ist ein fixer Bestandteil unseres Alltags. Ob wir sie nun bewusst oder unbewusst beachten, ihre Botschaften fließen in unsere Wahrnehmung ein. Sexistisch ist Werbung dann, wenn sie ein Geschlecht, meistens die Frau, in traditionell beschränkter Funktion, als sexuell verfügbares Wesen oder nur mit stereotypen Eigenschaften darstellt; wenn sie Körper oder Körperteile wie Hintern und Brüste als Blickfang einsetzt und so voyeuristische Instinkte bedient. Sexismus ist letztlich menschenverachtend."

Diese Begründung scheint die BaHu-Veranstalter jedoch nicht überzeugt zu haben. Zwar fügten sie sich am 22. Januar der Forderung nach Abschaltung ihrer Werbung in den Leipziger Straßenbahnen - aber nicht, ohne in einer zweiten Stellungnahme nochmals zu betonen: "Wir finden das Ganze lächerlich, peinlich, kleinkariert oder wie auch immer und beenden nun einseitig dieses Possenspiel!"