Sexistischer Übergriff in Meusdorf

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13.

Juni
2016
Montag

Gegen 18:00 Uhr wurde eine 15-jährige Frau, die auf der Paul-Flechsig-Straße entlang lief, von einem ihr unbekannten Mann, der sich ihr von hinten näherte, "unsittlich berührt". Den sexistischen Übergriff unterbrach die Frau durch Anschreien des Täters und entfernte sich schnell vom Tatort. Der Versuch des Täters, ihr zu folgen, misslang. Der Eingriff in die Intimsphäre stellt eine Grenzverletzung dar und ist somit sexistisch.

Angrapschen, wie hier vorgefallen, ist eine Form sexueller Belästigung. Sexuelle Belästigung selbst ist eine der häufigsten Erscheinungsformen von Gewalt gegen Frauen. Laut der Studie "Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland" (2004) haben insgesamt 58,2 Prozent aller befragten Frauen Situationen sexueller Belästigung erlebt. Auch 2014 sind die Zahlen unverändert, wie die Studie "Gewalt gegen Frauen: eine EU-weite Erhebung." der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) ergab.

In einem Diskussionsbeitrag über die Schwierigkeit, sexistische Normalzustände zu dokumentieren, schrieb die Redaktion der Zeitschrift für feministische Gesellschaftskritik - outside the box:

"Ein weiteres Erschwernis der Dokumentation ist die oftmals auftretende eigene Angst der betroffenen Person, nicht ernst genommen zu werden. Diese Angst muss überwunden werden, um die Diskriminierung öffentlich zu machen. Die betroffene Person muss gegen Angst, Scham, Drohungen und Missachtungen etc. angehen."

Wie berechtigt die Angst ist, nicht ernst genommen zu werden, zeigt die Pressemeldung der Polizeidirektion Leipzig zu dem Ereignis. So deutet bereits die gewählte Überschrift "Begegnung der ehrverletzenden Art" das eigentliche Interesse der presseverantwortlichen Beamt_innen an: Für sie scheint das Wortspiel im Vordergrund zu stehen. Dabei orientieren sie sich an der Redewendung "Begegnung mit der dritten Art", womit im eigentlichen Sinne der Kontakt mit einem UFO oder dessen Insass_innen gemeint ist. Nur trifft beides auf den Täter hier nicht zu. Gleichfalls stellt das Ereignis im Unterschied zur Redewendung nichts kurioses, irritierendes, außeralltägliches oder gar extraterrestrisches dar, sondern den sexistischen Alltag, dem Frauen ausgesetzt sind.

Diesen Alltag reproduzieren die Presseverantwortlichen in ihrer Meldung erfolgreich. So verharmlosen sie den sexistischen Übergriff zu einem so genannten Kavaliersdelikt, in dem sie den Täter als "Schwerenöter" bezeichnen. Laut Duden handelt es sich dabei um einen "Mann, der durch seinen Charme und eine gewisse Durchtriebenheit Eindruck zu machen und sich etwas zu verschaffen versteht."

Quelle: 

LVZ-Online vom 14.06.2016: "Mann betatscht 15-Jährige in Leipzig-Meusdorf – Polizei ermittelt"
PM der PD Leipzig vom 14.06.2016: "Begegnung der ehrverletzenden Art"