Sexueller Übergriff in Zug nach Halle

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8.

März
2020
Sonntag

Am Sonntagmorgen belästigen zwei Männer in einem Zug nach Halle zwei weibliche Fahrgäste sexuell. Die beiden 18- und 19-jährigen Frauen fordern die Männer auf, ihre sexistischen und abwertenden Äußerungen und Gestiken zu unterlassen, zudem wechseln sie mehrfach die Sitzplätze, um der Situation zu entkommen. Die Männer ignorieren die Aufforderung und folgen ihnen.

Einer der Männer versucht daraufhin, der 18-Jährige mit der flachen Hand ins Gesicht zu schlagen. Sie konnte dem Schlag ausweichen. In diesem Moment erblicken die beiden Frauen den Zugbegleiter, der das Abteil betritt. Sie wollen den Sitzplatz wiederholt wechseln, werden jedoch von den Männern daran gehindert. Die 18-jährige Frau wird von einem der beiden Männer zurückgerissen und an ihrem Po begraptscht, während ihrer Begleiterin durch den anderen Mann in den Genitalbereich gefasst und dabei verletzt wird.

Als Zugbegleiter dazwischen geht, wird dieser mit einer Bierflasche angegriffen und am Arm verletzt. Erst zwei andere Fahrgäste können die beiden übergriffigen Männer festhalten und in Halle der Polizei übergeben.

Misogynie: Instrument zur Aufrechterhaltung der patriarchalen Ordnung
Da die beiden Frauen das sexuell-belästigende Verhalten der Männer kritisiert und nicht entsprechend der Erwartungen der Männer gehandelt haben, reagierten diese mit Gewalt. Das Anliegen der beiden Männer ist es dabei, Frauen ihren gesellschaftlich zugeschriebenen Platz entsprechend ihrer gesellschaftlich zugeschriebenen Rolle – passiv, hinnehmend und sexuell verfügbar – im Patriarchat zu zuweisen. Folglich versuchen die Männer, das Agieren der Frauen, ihr Abweichen und Aufbegehren gegen patriarchale Strukturen, zu sanktionieren. Körperliche Gewalt wird dabei durch Männer als zurechtweisendes und bestrafendes Mittel eingesetzt. Hinter dem Agieren der Männer steckt folglich ein misogyner Akt.

Mehr zu Misogynie im Artikel "Einzelfall, tragisches Schicksal oder selbst Schuld? Frauenmorde und ihre rassistische Verwertung" (S. 40-42) von Naomi Shibata und Lena Kirsch in der 2019er Ausgabe der »Leipziger Zustände«.

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