Shoah-Leugnung und antisemitische Ausfälle auf Flohmarkt in der Südvorstadt

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23.

Juli
2017
Sonntag

Auf einem privaten Flohmarkt an einer Straßenecke in der Südvorstadt leugnet ein unbekannter Mann öffentlich den Holocaust und äußert massiv antisemitische Stereotype. Dies hörte auch eine Frau, die Angehörige durch die Shoah verlor.
Der Mann stieß vermutlich als Passant an dem Sonntagnachmittag auf den Flohmarkt. Mit einem Standbetreiber begann er ein längeres Gespräch, thematisch ging es vom "Balkan"-Konflikt zum Nahenosten. Ein junger Mann war mit seiner Mutter auf dem Flohmarkt, als er gerade gehen wollte, hörte er den, ihm unbekannten Mann, sagen: "Der Nahostkonflikt ist sehr leicht zu erklären". Der Junge Mann blieb stehen und hörte dem Mann in seinem Vortrag weiter zu, als dieser sagte: "Die Israelis wollen das palästinensische Volk ausrotten", intervenierte er.
Ein Streitgespräch zwischen den Beiden entstand. In diesem äußerte der Mann mehrmals antisemitische Vorstellung über die "Überlegenheit des jüdischen Volkes", das sich auch so verhalten würden: "seit Jahrhunderten treiben [die] ihr Spielt mit der Welt". Als er durch den jungen Mann als Antisemiten bezeichnet wurde, erwiderte dieser "Komm mir nicht mit der Holocaust-Keule [...], der Holocaust, kann nicht stattgefunden haben, die ganze Welt ist ja voller Juden". Während der Auseinandersetzung der Beiden hören mehrere Flohmarktbesucher_innen und Standbesitzer_innen zu, keiner interventiert. Viel mehr wird der engagierte junge Mann auf seinen "energischen" Ton hingewiesen. Ein Passant stimmt dem Antisemiten sogar mit den Worten zu: "Jeder könne seine Meinung vertreten, da hilft es nicht diese tot zu schreien".

Der Junge Mann zieht sich aus der Situation zurück und begibt sich zu seiner wartenden Mutter. Diese hatte ebenfalls das Streitgespräch verfolgt und musste sich auf den Boden setzen. Die Shoah-Leugnung hat sie schwer getroffen; viele Angehörige verloren durch die Shoah ihr Leben.
Der Junge Mann kehrte, einige Stunden nach dem Vorfall, ohne seine Mutter, aber in Begleitung einer Freundin, zurück zum Flohmarkt. Er wollte von den Standbetreiber_innen wissen, ob Sie den Mann kennen würden und warum sich niemand eingemischt hatte. Auch im Nachgang schien kein Problembewusstsein bei den Anwesenden vorhanden, viel mehr wunderte sich eine Standbetreiberin erneut über das "energische" Auftreten des jungen Mannes und ob dies "vielleicht persönliche Gründe" habe. Er erfuhr, dass eine andere Frau sich, nach seinem Verlassen des Flohmarktes, noch 45 Minuten interessiert mit dem Mann unterhalten hatte.
Auch in einem später stattfindenen Gespräch mit einem weiteren Standbetreiber des Flohmarktes, den er zufällig auf der Straße getroffen hatte, wurde der junge Mann auf seinen vermeintlich sehr "israelisch klingenden Namen" angesprochen, seine offenbar biografische Betroffenheit erkläre ja auch warum er so "emotional reagiert" hätte.

Es ist erschreckend zu sehen, wie hier nicht nur offen antisemitische und strafbare Äußerungen unkommentiert stehen gelassen werden, sondern auch wie ein Betroffener immer wieder auf seinen vermeintlichen Hintergrund reduziert wird. Hier zeigen sich nicht nur bagatellisierende, sondern auch stark antisemitische Vorstellungsmuster. Ein Problembewusstsein bezüglich der Äußerungen des Antisemiten scheinen bei den anwesenden Personen auch nach mehreren Gesprächen immer noch nicht vorhanden zu sein.

Quelle: 

Chronik.LE, RIAS vom 19.10.2017: "Vorfall Meldung Sachsen - Leipzig, 23. Juli 2017"