"Spendenaktion" von Uniter in Leipzig

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6.

Dezember
2019
Freitag

Mitglieder der Vereinigung Uniter führen am Nikolaustag am Leipziger Hauptbahnhof eine angebliche Spendenaktion für Obdachlose durch. Auf einem Foto von der Aktion sind zwei Männer zu sehen, die eine weiße Fahne mit dem Logo des umstrittenen Vereins in die Kamera halten. Einer der beiden Männer ist der lokale CDU-Funktionär Robert Möritz aus dem Kreisverband Anhalt-Bitterfeld, der das Foto auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hat. Auf seiner Kleidung ist ebenfalls ein Uniter-Patch angebracht. Als wenig später seine Vergangenheit in der Neonazi-Szene bekannt wird (u.a. Teilnahme als Ordner an einer Nazi-Demonstration am 1. Mai 2011 in Halle, "Schwarze Sonne"-Tätowierung am Ellenbogen), tritt Möritz im Laufe des Dezembers zunächst aus Uniter und schließlich aus der CDU aus.

Knapp eine Woche vor der PR-Aktion am Hauptbahnhof hat am 30. November in Leipzig bereits ein Regional-Treffen von Uniter ("Security Round Table") stattgefunden. Dieses sollte laut Ankündigung dazu dienen, "Mitglieder und Interessenten aus der Region zu verbinden".

Uniter ist ein zunächst 2012 in Halle, 2016 noch mal neu in Stuttgart gegründeter Verein, der sich nach eigenen Angaben um die Kontaktpflege unter ehemaligen und aktiven Angehörigen von Sicherheitskräften (Bundeswehr, Polizei) sowie um deren Weiterbildung kümmert. Nach Recherchen der taz und anderer Medien soll Uniter Teil des sogenannten "Hannibal"-Netzwerks um den aus Halle stammenden KSK-Soldaten und Uniter-Gründer André S. sein. Das Netzwerk wurde 2017 im Zuge von Ermittlungen wegen Terrorismusverdachts gegen den Bundeswehrsoldaten Franco A. und Razzien bei Mitgliedern der "Nordkreuz"-Chatgruppe bekannt. Die Mitglieder dieser und weiterer Chatgruppen bereiteten sich auf einen sogenannten "Tag X" vor. Auf "Feindeslisten" des Netzwerks sollen u.a. auch 259 Personen aus Leipzig verzeichnet gewesen sein.

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