Synagogen-Denkmal mit Hakenkreuz beschmiert

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8.

Mai
2020
Freitag

An die Wand des Synagogen-Denkmals in der Gottschedstraße wird mit schwarzer Farbe ein Hakenkreuz geschmiert, das mindestens bis Montag dort zu sehen ist. Laut Mitteilung der Leipziger Polizei ist das in der Nacht von Freitag zu Sonnabend passiert, im Zeitraum von 16:20 Uhr bis gegen 01:45 Uhr am Samstagmorgen, als ein Mitarbeiter des Objektschutzes das Graffiti in einer Größe von etwa 52 cm x 35 Zentimetern entdeckte. Der Sachschaden beträgt etwa 200 Euro, die Polizei ermittelt wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen in Tateinheit mit gemeinschädlicher Sachbeschädigung. Der 8. Mai ist der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, vor 75 Jahren kapitulierten an diesem Tag die deutschen Truppen gegenüber den Alliierten.

Das 2001 errichtete Synagogen-Denkmal in der Gottschedstraße besteht aus 140 bronzenen Stühlen, die aufgereiht auf einem Plateau stehen. Umgeben ist das Plateau von grünem Gesträuch sowie einer niedrigen Mauer. Der Grundriss ist der im September 1855 eingeweihten Großen Gemeindesynagoge nachempfunden, die im November 1938 von den Nationalsozialisten zerstört wurde. Die leeren Stühle befinden sich "in" der ehemaligen Synagoge, folglich eine Metapher für den Verlust jüdischen Lebens in Leipzig durch den Nationalsozialismus.

1929 hatte die jüdische Gemeinde Leipzigs über 14.000 Mitglieder und war damit die größte jüdische Gemeinde in Sachsen und eine der größten Deutschlands. Nur 24 Gemeindemitglieder überlebten die systematische Verfolgung und Ermordung jüdischer Menschen zwischen 1933 und 1945.