Toxische Männlichkeit & Geschlecht als Grund für eine Bedrohung

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7.

Oktober
2019
Montag

Eine junge Frau geht gegen 14:15 Uhr zur Haltestelle Dornbergerstraße. Sie trägt Kopfhörer, aber es läuft keine Musik. Als sie bei Netto ist, beobachtet sie, wie ein älterer Mann hinter zwei jungen Frauen läuft. Der Mann wirkt auf sie etwas verwirrt und sie bemerkt, dass der Mann anscheinend mit den Frauen redet, aber diese schnell weiter laufen. Die junge Frau versteht zunächst nicht, was der Mann sagt, bis ein Kopfhörer aus ihrem Ohr herausfällt und sie ca. 2 Meter von ihm entfernt steht. Sie hört das Ende des Satzes, den der Unbekannte zu den Frauen sagt "...seid dran!". Die beiden gehen sehr schnell weiter. Die junge Frau ist kurz davor den Weg des Mannes zu kreuzen, da er hält an und dreht sich zu ihr, schaut sie an und sagt: "Ja, schau nur so. Du bist auch bald dran!".

Alle drei Betroffenen teilten das äußerliche Merkmal des "Frau seins", weswegen davon auszugehen ist, dass der Täter ein frauenfeindliches bzw. patriarchal-dominantes Motiv vertritt und die geäußerte Bedrohung "du bist auch bald dran!" sich aufgrund ihres Geschlechts gegen sie richtet. Es stellt sich die Frage, ob der Unbekannte auch gegenüber Personen seines Geschlechts so reagiert hätte. Der Täter weist eine toxische Männlichkeit auf.

Toxische Männlichkeit ist ein Konzept der kritischen Männlichkeitsforschung und beschreibt eine in unserer Gesellschaft vorherrschende Vorstellung von Männlichkeit. Sie umfasst das Verhalten, das Selbstbild und Beziehungskonzepte von Männern sowie kollektive geschlechtliche, männliche Strukturen. Dem Selbstbild nach sollen Männer keine Schwäche zeigen, höchstens Wut, sie sollen hart sein, aggressiv aber auf gar keinen Fall zärtlich oder liebevoll, schon gar nicht miteinander. Männlichkeit muss immer wieder bewiesen werden, z. B. durch die Einordnung in eine Hierarchie, die mit Mutproben und erniedrigenden Ritualen gefestigt wird und sich zumeist gegen das weibliche Subjekt richtet, dass in dieser Vorstellung zumindest nicht gleichwertig ist, wenn nicht sogar entmenschlicht wird.

Der obige Fall stellt so einen Fall von gelebter & erlebter toxischer Männlichkeit dar und ist deshalb bedrohlich - die verbale Drohung, Frauen Leid zuzufügen, hat der Unbekannte bereits ausgesprochen und ist damit nicht der Einzige.

Quelle: 

chronik.LE