Tumulte bei Kreistagssitzung in Naunhof - NPD muss Sitzung verlassen

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14.

April
2010
Mittwoch

Zu Tumulten kam es während einer Kreistagssitzung in Naunhof (Landkreis Leipzig) am 14. April. Diese gipfelten darin, dass mehrere NPD-Anhänger und ein NPD-Kreisrat des Saales verwiesen wurden.

Zunächst hatte Landrat Gerhard Gey (CDU) zweimal den NPD-Mandatsträger Gerd Fritzsche aus Bordsdorf ermahnt, da dieser in seiner Rede zum Haushalt des Landkreises mehrfach "unter die politische Gürtellinie" (LVZ) gegangen war. Später kam es auf der Zuschauer_innentribühne zu verbalen Auseinandersetzungen zwischen drei NPD-Anhängern und linken Jugendlichen. Dabei rempelte NPD-Kreischef Marcus Müller eine junge Frau an und beschmipfte sie als "Fotze".

Landrat Gey wollte daraufhin die gesamte Reihe aus dem Saal schicken, wogegen sich jedoch die angepöbelte Frau mit Verweis auf die sexistische Beleidigung aussprach. Als der Landrat nun nur die Neonazis des Saales verwies, rastete plötzlich der Nerchauer NPD-Kreisrat Sven Tautermann aus. Er sprang von seinem Platz auf, rempelte auf dem Weg zum Tagungspräsidium einen anderen Abgeordneten an und beschimpfte den Landrat. Dieser ließ sich das nicht gefallen und schickte Tautermann nach Hause. Die anderen drei NPD-Abgeordnten schlossen sich ihm an. Die inzwischen eingetroffene Polizei begleitete sie zusammen mit der gesamten NPD-Anhängerschaft unter dem Beifall der Anwesenden aus dem Saal.

In der LVZ wird der Vorfall derweil als "lautstarke Rangelei zwischen rechts- und linksgerichteten Jugendlichen" dargestellt. Dass an dem Tumult u.a. der langjährige NPD-Kreisvorsitzende beteiligt war, wird nicht erwähnt. Statt dessen werden die nicht-rechten Jugendlichen pauschal als "linksextrem" und das antifaschistische "Netzwerk Naunhof", das im Vorfeld der Kreistagssitzung zu Protesten gegen Kürzungen im Jugendbereich aufgerufen hatte, als "für seine linksextreme Ausrichtung bekannt" bezeichnet. In der Online-Version des Artikels wurde diese Kategorisierung nach Widerspruch der Betroffenen später in "linke Ausrichtung" abgeändert.

In einem Kommentar in der Lokalausgabe Borna-Geithain der LVZ zu dem Vorfall wird gefordert, "störenden Milchgesichtern" ein "dauerhaftes Hausverbot" für die Kreistagssitzungen zu erteilen. Zudem ist von "störenden Randgruppen" die Rede, die "auf neutralem Boden" aufeinandergetroffen seien, womit sowohl die nicht-mehr-jugendlichen NPD-Kader als auch die nicht-rechten Jugendlichen gemeint sind. Besonders fatal sei zudem, dass auch ein NPD-Abgeordneter die "Contenance" verloren habe. Als Angehöriger einer "Randgruppe" gilt der NPD-Politiker im Gegenzug zu den unbequemen "Milchgesichtern" im Landkreis Leipzig offenbar nicht mehr.

Quelle: 

LVZ und LVZ-Online vom 16.04.2010, PM Netzwerk Naunhof vom 16.04.2010, GrimmaBlog.de vom 15.04.2010, chronik.LE