"White Prisoners"-Solidaritätskonzert in Staupitz

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24.

September
2011
Samstag

Anlässlich eines so genannten "White Prisoners & Supporters Day" (WPSD) fand am Sonnabend in Staupitz bei Torgau (Landkreis Nordsachsen) ein Konzert mit fünf Neonazi-Bands statt. Im Rahmen dieser selbsternannten Solidaritätskampagne für "weiße Gefangene" (also inhaftierte Neonazis) sollte an diesem Tag eigentlich eine Demonstration in Frankfurt/Oder abgehalten werden. Diese wurde jedoch verboten, weshalb die OrganisatorInnen kurzfristig zur Teilnahme an einem parallel stattfindenden Neonazi-Aufmarsch in Neuruppin aufriefen. Als Unterstützerin der Kampagne wurde auf der zugehörigen Internetseite (auf einer Domain namens "National-Socialism.org") die wenige Tage zuvor, am 21. September, vom Bundesinneministerium verbotene "Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene" (HNG) genannt.

Angekündigt waren für das Konzert in Staupitz die überwiegend aus dem NS-Hardcore-Bereich stammenden Bands "Murder in Society","Painful Awakening" (Mecklenburg-Vorpommern), "Burning Hate" (Oberfranken), "Flak" (Rheinland), "Straightline" (Griechenland) und "Inkubation" (Döbeln). Letztere verzichteten aber auf ihren Auftritt, da dieser sich sehr verzögerte und am Ende wohl nicht mehr genügend Publikum da war. Das geht aus Konzertberichten im mittlerweile abgeschalteten Neonazi-Forum "Thiazi" hervor. Demnach besuchten zwischen 100 und 150 Personen das Konzert.

Laut den Schilderungen bei "Thiazi" war das Konzert bei den Behörden angemeldet. Einer der Verantwortlichen beklagte sich in dem Forum darüber, dass die erlassenen Auflagen nicht von allen BesucherInnen selbständig eingehalten wurden:

Da es ja eine angemeldete Veranstaltung war und JEDEM die Auflagen erläutert wurden, daß z.B. das Zeigen von allem, was mit 28 zu tun hat, bzw. was das Zeigen von gewissen Sachen in Bezug auf die „verbotene HNG“ betrifft, verboten ist, verstehe ich nicht, warum wir mehrere Kameraden immer wieder darauf hinweisen mußten sich einen Pullover anzuziehen, bzw. sich Hautbilder erneut abzukleben.

Zudem beschwerte er sich darüber, dass sich einige BesucherInnen "kostenlos an den Getränken der Bands bereichert haben." All zu weit her ist es mit der viel beschworen Kameradschaft also offenbar nicht. In dem Aufruf zum "White Prisoners"-Tag hieß es zuvor noch ebenso pathetisch wie offen nationalsozialistisch:

Brüder und Schwestern-Kameraden und Kameradinnen denkt immer daran; Unsere Haut ist unsere Uniform! Unsere Haut ist unsere Religion! Wir alle sind Krieger des Blutes und des Geistes einer Jahrtausende alten arischen Kultur, und als solche haben wir alle unser Leben nach den einzigen, wichtigen Faktoren auszurichten. Blut und Geist! Alle Ideologien, die der weißen Rasse dienen, sind nur Mittel zum Zweck. Nicht die Ideologie ist Gott, unser Blut ist Gott!

Der 24. September als Termin für den WPSD war wahrscheinlich nicht zufällig gewählt. Es handelt sich dabei um den Todestag von Ian Stewart Donaldson, den Gründer des internationalen Rechtsrock-Netzwerks "Blood & Honour", das in Deutschland seit 2000 verboten ist. An seinem Todestag finden regelmäßig in verschiedenen europäischen Ländern "ISD-Memorial"-Konzerte statt, in diesem Jahr u.a. in Italien, Ungarn, Schweden, Frankreich und England. Das Konzert in Staupitz reiht sich da zumindest inoffiziell mit ein. Der verbotene WPSD-Aufmarsch in Frankfurt/Oder soll zuvor als „Ian-Stuart-Gedenkmarsch“ angemeldet worden sein.

Das sächsische Innenministerium blendet diesen Hintergrund ("White Prisoners"-Kampagne, HNG, "Blood & Honour"-Netzwerk) in seiner Antwort auf eine Kleine Anfrage im Landtag völlig aus. Die Besucherzahl wird darin mit "ca. 100" angegeben, die griechische Band "Straightline" ebenso wie "Inkubation" aus Döbeln nicht erwähnt und beim Veranstalter lediglich auf eine "Einzelperson" verwiesen.

Quelle: 

"Oireszene"-Blog vom 23.09.2011 (Konzertüberblick zum 24. September), 31.07.2011 (geplanter Aufmarsch in Frankfurt/Oder und 04.08.2011 (geplantes Konzert), Kl. Anfrage von MdL K. Köditz: "Rechte Konzert in Sachsen 2011" (SMI-Antwort vom 31.01.2012, Drs. 5/7854), WPSD-Kampagnenseite, "Thiazi"-Forum, chronik.LE