"Zeitzeugenvortrag" mit "SS-Untersturmführer" im Leipziger NPD-Zentrum

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28.

September
2013
Samstag

Der einstige SS-Untersturmführer Kurt Barckhausen ist mangels Konkurrenz ein beliebter Zeitzeuge im Neonazi-Milieu. So zog ein nur intern beworbener Vortrag des 90-Jährigen über seine Zeit bei der "3. SS-Division Totenkopf" am Freitag im Leipziger NPD-Zentrum über 100 Besucher an. Zu Gast waren auch Mitglieder des Kreisverbandes Hamm der von Christian Worch gegründeten, mit der NPD konkurrierenden Neonazi-Partei "Die Rechte". Diese führten zwei Monate später eine eigene Veranstaltung mit Barckhausen in Hamm durch.

Nachdem er in seinen Jugend- und Kriegserinnerungen geschwelgt hatte, empörte sich der in Kassel lebende Alt-Nazi darüber, dass die Waffen-SS mittlerweile als verbrecherische Organisation gilt. Er wolle "weiter für die geschichtliche Wahrheit kämpfen". Dabei setzt der einstige "Totenköpfler" auch auf jenseitige Mächte. So erklärte er laut dem Veranstaltungsbericht der Neonazis aus Hamm: "Wenn die Toten aus ihren Gräbern steigen würden, dann würden sie die heute Regierenden aus dem Bundestag jagen."

In der Antwort des Sächsischen Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage wird die Veranstaltung zwar als "Zeitzeugenvortrag" erwähnt, jedoch keine Angaben zur beachtlichen Teilnehmerzahl gemacht.

Für den 19. Oktober war ein weiterer Vortrag dieser Art für Leipzig geplant, der jedoch kurzfristig abgesagt wurde. Ein Veteran der 2. Panzerdivision sollte über "die Kämpfe bei Kursk und in den Ardennen" sprechen. Eingeladen dazu hatte die Zeitschrift "Ein Fähnlein", die von dem Bremer Neonazi Henrik Ostendorf herausgegeben wird. Ostendorf fungierte zeitweise als Geschäftsführer des "Deutsche Stimme"-Verlags der NPD in Riesa, ist Bruder des "Kategorie C"-Sängers Hannes Ostendorf und ein guter Bekannter des Leipziger NPD-Kaders Nils Larisch.

Quelle: 

Kleine Anfrage zu "Aktivitäten der extremen Rechten in Sachsen im Monat September 2013" (Drs 5/12844), Homepage "Die Rechte"-Kreisverband Hamm vom 30.09.2013, chronik.LE