Redebeitrag Demonstration "Neonazitreff schließen! Gedenkort schaffen!"

Redebeitrag Demonstration 15.06.2019

Die Demonstration des Ladenschlussbündnisses zur Schließung des Nazitreffpunkts in der Kamenzer Straße können wir als chronik.LE nur begrüßen. Viel zu lange treffen sich dort organisierte Neonazis, extrem rechte Kampfsportler und Nazi-Hooligans. Die Nutzung dieses Orts durch Personen der extremen Rechten stellt eine enorme Bedrohung für eine pluralistische Gesellschaft dar und für all diejenigen, die nicht in die Neonazi-Ideologie der homogenen Volksgemeinschaft passen. Darum fordern wir den Nazitreff zu schließen und einen würdigen Gedenkort zu schaffen. Für diejenigen die mit unseren Namen nichts anfangen können folgt eine kurze Einführung zu uns und anschließend die Ausführungen, warum wir denken, dass der Treffpunkt in der Kamenzer Straße 10-12 so schnell wie möglich geschlossen werden muss.

Die Problematik des Nazitreffpunkts
Als chronik.LE dokumentieren wir – initiiert durch das Ladenschlussbündnis – seit über 10 Jahren faschistische und rassistische Gewalt, Diskriminierungen und Übergriffe. Wir dokumentieren Fälle, die in Leipzig und den umliegenden Landkreisen stattfinden, halten Vorträge und veröffentlichen regelmäßig die Broschüre „Leipziger Zustände“. Und wir dokumentieren seit über 10 Jahren den Mist der von der Kamenzer Straße abfällt. Da sind zum Beispiel die Fälle, in denen es im Umfeld der Kamenzer zur Zerstörung der Gedenktafel kam, die an die nationalsozialistische Vergangenheit des Ortes erinnert, in dem sich heute wieder Neonazis tummeln und in dem sie den kommenden Aufstand trainieren. Zu nennen sind da auch die Nazi-Konzerte, auf denen Bands spielen die Namen tragen wie "12 Golden Years", "Priorität 18", "White Rebell Boys", „Aryan Hope“ und „White Resistance“ und die bis zu 300 Besucher anziehen.
Die Kamenzer als Nazitreffpunkt wird laut der sächsischen Landesregierung, auf die wir uns eher selten berufen, von einer "rechtsextremen Privatperson" betrieben. Dahinter steckt höchstwahrscheinlich ein Trainer im sogenannten „Imperium Fight Team“, der auch Veranstalter des gleichnamigen Kampfsportevents in Leipzig und ehemaliger Kader der neonazistischen Hooligan-Gruppe „Scenario Lok“ ist.

Netzwerke und Kontinuitäten der extremen Rechten hier
Die Kamenzer Straße dient nicht nur als Location für Nazi-Konzerte, sondern auch als Trainingsort für das Imperium-Fight-Team. Fast alle Mitglieder dieses Kampfverbandes sind ehemalige Mitglieder oder Anhänger von “Scenario Lok”. Ihr Team ist durch zahlreiche persönliche Freundschaften weit hinein vernetzt mit einer engmaschigen Szene aus rechten und rechtsoffenen Fußballfans wie Thomas K., gegen den zur Zeit wegen des Angriffs auf die Wohnung des sächsischen Justizministers am Landgericht verhandelt wird und der in der Vergangenheit versuchte, den Fischladen auf der Wolfang-Heinze-Straße anzuzünden. Zuletzt erhielt die Gruppe die nicht unweit von hier trainiert international mediale Aufmerksamkeit, weil zwei Nazis aus ihrer Reisegruppe auf Mallorca grundlos einen schwarzen Türsteher angriffen, ihm unter anderem eine schwere Rückenmarksverletzung zufügten. Robert F. und Johannes H., die beiden Angreifer, waren mit einer knapp 70-Personen-großen Gruppe von Hooligans und Neonazis der Fanszene von Lok Leipzig nach Mallorca gereist. Sie wurden unter anderem begleitet von Christopher H., der ebenfalls das Imperium Team dort in der Kamenzer trainiert. Robert F. trainiert dort ebenfalls.
Friedliebende, Harmoniebedürftige Personen könnten nun behaupten, dass das alles eine Ausnahme war, was dem jungen Mann auf Mallorca von den Leipziger Neonazis angetan wurde. Wer so etwas behauptet schert sich zwar um einen Burgfrieden mit Nazis, will jedoch von der Wirklichkeit nichts wissen.
Es sind gewaltbereite Neonazis, die hier Kampfsport trainieren und denen es darauf ankommt, andere Menschen zu verletzen. Sie inszenieren sich medial als Opfer, üben aber seit Jahrzehnten Gewalt aus, schüchtern Menschen ein, greifen sie an oder versuchen ihre Häuser anzuzünden. Einige Mitglieder des Imperium Teams waren z.b. Teil des Neonazi-Mobs, der vor 3 ½ Jahren Connwitz angriff. Und ja, es sind schon wieder 3 ½ Jahre. Am 11.01.2016 hatten rund 250 Neonazis und rechte Hooligans den Stadtteil Connewitz angegriffen. Mit Fäusten, Steinen, Pyrotechnik, Messern und Äxten beschädigten sie zahlreiche Ladengeschäfte und verletzten drei Passanten. Zu den Angreifern gehörten zahlreiche Fans rivalisierender Fußballvereine, geeint vom Hass auf Linke, Antifaschist_innen und alternative Lebensweisen. Auch die “Imperium”-Teammitglieder Timo F., Christopher H. und Marcus K. müssen sich deswegen noch vor Gericht verantworten.

Grundstücke & Geld – Stützpfeiler der extremen Rechten
Die Naziszene institutionalisiert sich. Sie eröffnet Versandhandel, betreibt Musiklabels und Sonnenstudios, kauft sich Grundstücke und eröffnet Bars. Die Naziszene in Sachsen und vor allem im Umland von Leipzig baut sich seit einigen Jahren eine eigene Infrastruktur auf, mit der sie unabhängig sind und in aller Ruhe an ihrer „Nationalen Revolution“ arbeiten können.
Benjamin B., Trainer des Imperium Teams, kaufte mit anderen Personen zusammen beispielsweise vor ca. 8 Wochen einen Gebäudekomplex in Wurzen, der ca. 16.000m² Freifläche umfasst und unter anderem eine Spielothek, eine Pension, eine Konzerthalle und Bar, eine Diskothek und Lagerhallen beinhaltet. Wie das zustande kam ist bis heute nicht klar. Was aber klar ist, ist was dabei herauskommt, wenn jemand wie der Trainer des Nazikampfsportvereins eine so riesige, für alles nutzbare Location betreibt. Sie schaffen sich ein Einkommen und sammeln Geld, womit sie das nächste Konzert finanzieren können, um den Tod von Juden und politischen Gegnern zu besingen. Sie können dort eigene Klamotten produzieren und generell eine Infrastruktur aufbauen, die dann der lokalen Struktur zu Gute kommt und nebenbei Jugendliche in ihrem Sinne politisiert. Die Ausstrahlung und langfristige Wirkung solcher Immobilien, Geschäfte und Treffpunkte ist fatal, wie sich an einem Fall den wir letztes Jahr dokumentiert haben zeigt: Am 25. Januar 2018 steigen vier ca. 16/17-jährige Jugendliche mit Sporttaschen des Imperium Fight Team in Wurzen in die Regionalbahn Richtung Leipzig und setzen sich sich ins Fahrradabteil. Beim Aussteigen in Engelsdorf pöbeln sie "Die ganze deutsche Subkultur ist durchsetzt von Lesben, Schwuchteln und Kanacken". Es ist fatal, denn solche jungen Personen sind es, die aktuell in Taucha Menschen terrorisieren. In Taucha kommt es seit einiger Zeit vermehrt zu rechten Bedrohungen und Angriffen. Häufig steigen die Täter abends in die letzte Straßenbahn der Linie 3, fangen auf der Fahrt an Hitler zu glorifizieren und bedrohen alle, die dabei nicht einstimmen. In Taucha bedrohen sie Locals, fahren mit Nazihools von Lok ins Umland zu Fußballspielen und bedrohen dort antifaschistische Fans, wie zuletzt in Wurzen beim Spiel des Roten Stern.

Nazitreffpunkt schließen – Gedenken an Opfer ermöglichen
Wir möchten nun mit diesem Beitrag zu einem Ende kommen, denn wir glauben es ist klar geworden, was an dem Nazitreffpunkt des Imperium Fight Teams in der Kamenzer Straße problematisch ist. Denn wenn selbst die sächsische Landesregierung - gerade die - zu der Feststellung kommt, dass es sich wirklich um sogenannte „rechtsextremistische“ Veranstaltungen handelt, die dort immer wieder stattfinden, na dann ist ja augenscheinlich auch dem letzten/der letzten klar geworden, dass dieser Treffpunkt dicht gemacht gehört. Aber auch für diejenigen die hier zu hören und es noch nicht mitbekommen haben: In dem Ort zu dem wir gleich gehen treffen sich Neonazis und veranstalten Konzerte mit hunderten Besuchern. Von der Kamenzer Str. 10-12 und von dem dort ansässigen Netzwerk an Nazis gehen immer wieder Angriffe auf Personen und Sachbeschädigungen aus, dieses Netzwerk hat über bekannte Neonazis wie Benjamin B. Kontakte zur organisierten Kriminalität und dieser Nazitreffpunkt MUSS geschlossen werden. Und zwar nicht morgen oder übermorgen, sondern gestern.
Dass es möglich ist, einen Nazitreffpunkt zu schließen, zeigt die letzte Erfahrung des Ladenschlussbündnisses. Die Odermannstraße haben wir erfolgreich dicht gemacht, machen wir mit der Kamenzer weiter und arbeiten wir darauf hin, dass dort eine würdige Gedenkstätte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Zwangsarbeit entsteht.