Roter Stern zu den Vorfällen in Schildau

Pressemitteilung Roter Stern vom 16.10.2017

Stellungnahme des Roten Stern Leipzig ’99 e.V. (RSL) zu den Ereignissen des gestrigen Spieltages rund um das Ligaspiel TSV 1862 Schildau vs Roter Stern Leipzig:

Sächsische Zustände?

In Schildau sollten RSL-Fans und Spieler erst „Nazis raus aus den Stadien“-T-Shirts ausziehen, um nicht zu provozieren – dann kam es zu mehreren Neonazi-Aktionen im Stadion, schließlich griffen Neonazis die abreisenden Sterne an und beschädigten mehrere Fahrzeuge.

Der RSL hält jeden der genannten Punkte an sich für einen Skandal, die Verknüpfung der Ereignisse jedoch ist an Absurdität kaum zu übertreffen.

Auch aufgrund der Erfahrungen der letzten Begegnungen mit dem TSV 1862 Schildau unterstützte der Rote Stern Leipzig die Aktion von Babelsberg 03 „Nazis raus aus den Stadien“ (https://babelsberg03.de/blog/2017/09/21/nazis-raus-aus-den-stadien-kampagne-gegen-rechte-hetze/). Die Ereignisse des Nachmittags bestätigten die Notwendigkeit dieser Aktion und der an sich doch so selbstverständlichen Aussage erneut.

Das Tragen der T-Shirts sollte Team und Fans (durch den Heimverein und nach Rücksprache mit Verbandsoffiziellen und Polizei) verboten werden. Das T-Shirt wurde einfach als „Provokation“ ausgelegt. Gedroht wurde, dass das Spiel sonst nicht angepfiffen werde. So zogen sämtliche Vereinsoffizielle und Spieler das Shirt direkt vor Spielbeginn aus, Fans des RSL trugen es aber weiterhin. Ein zwischenzeitlich im Raum stehender Polizeieinsatz gegen RSL-Fans wegen des „provokanten“ T-Shirts fand dann immerhin nicht statt.

Gleichzeitig riefen Naziklamotten und Naziparolen auf Schildauer Seite mindestens deutlich weniger engagierten, für den RSL jedenfalls nicht wahrnehmbaren Widerspruch hervor.

Der Auftritt in Schildau ist auch für die Spieler des RSL seit Jahren ein Spießrutenlauf. Auch diesmal wurden Spieler wieder von Schildauer Zuschauer*innen bespuckt und beleidigt, der Versuch einem vorbeirennenden RSL-Spieler ein Bein zu stellen gelang glücklicherweise nicht.

Unter den anwesenden Schildauer Zuschauer*innen waren (wie bisher jedesmal) offenkundige Neonazis. Sie trugen einschlägige T-Shirts und skandierten neben einschlägigen Vokabeln („Zeckenpack“) u.a. auch antisemitische Rufe („Judensterne“).

Mit Abpfiff vermummten sich einzelne Neonazis und betraten den Sportplatz, weitere Personen folgten. Die Polizei stoppte die etwa 20 Personen starke Gruppe, die sich gegen den RSL und seine Fans gewandt hatte. Aus der Gruppe heraus wurde mindestens ein „Hitlergruß“ gezeigt.

Abschließend wurden abreisende Fans als auch Spieler am Marktplatz in Schildau mit Flaschen und Steinen – trotz Polizeieskorte – angegriffen. Die Angreifer*innen beschädigten drei Fahrzeuge, Personen wurden zum Glück nicht verletzt. In der Gruppe der auf dem Marktplatz wartenden Neonazis, waren mindestens einige vorher auch auf Schildauer Seite im Stadion.

Es reicht!

Wer den RSL aufgrund seines gesellschaftspolitischen Engagements diffamiert oder zu kriminalisieren versucht, oder im Hinblick auf die rassistischen Umtriebe schweigt, macht sich mitschuldig. All diejenigen, die Kritik an Faschisten, Rassisten und Antisemiten als unzulässige Provokation auffassen, haben etwas Grundlegendes nicht verstanden oder stehen politisch selbst dort, wo die vom Grundgesetz gezogene Linie der Meinungsfreiheit überschritten wird.

Indem wir uns gegen Nazis positionieren, machen wir das, was der DFB von jedem Verein verlangt, was grundsätzlich von jedem*r zu erwarten ist. Jede*r, der etwas auf Menschenrechte bzw. die Grundrechte zählt, ist in der Pflicht, sich zu positionieren und gegen Diskriminierung stark zu machen. Es geht somit offensichtlich nicht um einen Kampf von sogenannten Linksextremisten gegen Rechtsextremisten (im Sinne der unsäglichen Extremismustheorie). Wer versucht, diesen daraus zu konstruieren, entzieht sich der Verantwortung, sich selbst zu positionieren.

Wir fühlen uns durch die Geschehnisse in der Notwendigkeit unseres Handelns gestärkt und werden unser Engagement entschlossen fortführen. Wir erwarten weiterhin eine grundsätzliche Positionierung des sächsischen Fußballverbandes zu dieser Problematik. Wo antifaschistische Botschaften durch ein allgemeines Transparent- und Fahnenverbot unterdrückt werden, wo selbst einfache T-Shirts mit dem Aufdruck „Nazis raus aus den Stadien“ als Provokation aufgefasst werden, wo statt dessen Neonazis schalten und walten können, da läuft etwas grundsätzlich schief!

Keinen Fußbreit den Faschisten! Nazis raus aus den Stadien!