Neulich in Leipzig

Alltägliche Diskriminierung sichtbar machen


Mit dem Schlagwort "Neulich in Leipzig" steht chronik.LE eine Rubrik zur Verfügung, um Vorfälle zu dokumentieren, die von Täter_innen wie auch Betroffenen oft nicht als diskriminierende Ereignisse wahrgenommen werden. Durch weitgehende Anonymisierung sollen damit Diskriminierungsformen erfasst werden, die mehr oder weniger alltäglich sind, also so oder so ähnlich an vielen Orten und zu jeder Zeit hätten stattfinden können.

Die Rubrik entstand aus der Erkenntnis, dass eine ereignisbezogene Dokumentation die dahinterstehenden diskriminierenden Einstellungsmuster in den Köpfen der Täter_innen und die gesellschaftlichen Strukturen außen vor lässt. Die Einträge zeigen, dass nicht nur stumpfe Gewalt Ausdruck menschenverachtender Ideologie ist: Der dumme Spruch in der Disko, am Arbeitsplatz oder wo auch immer - das ignorante Verhalten oder das "Eigentlich gut gemeinte" Handeln verdeutlichen, dass diskriminierende Denkweisen (beinahe) überall zu finden sind. Als solche müssen sie auch kritisiert werden!

Dies soll auch ein Aufruf sein, jede Art menschenfeindlicher Diskriminierung zu melden - bei den entsprechenden Antidiskriminierungs-Initiativen (zum Beispiel dem Antidiskriminierungsbüro e.V. | www.adb-sachsen.de) und bei chronik.LE. Mit dem "Neulich in Leipzig"-Schlagwort steht ein Mittel zur Verfügung, solche Ereignisse anonymisiert zu veröffentlichen. Die Veröffentlichung zeigt den Täter_innen, dass es keinen geschützten Raum für menschenverachtendes Handeln gibt!

Neulich in Leipzig: all inclusive: Fußball, Nationalstolz, Sexismus - Gewalt.

30.

Juni
2008
Montag

Nach dem Endspiel der Fußballeuropameisterschaft am Sonntag abend schienen einige Deutschland-Fans, die sich am Connewitzer Kreuz zum Public Viewing eingefunden hatten, ihrer Trauer mittels Wut und Aggression Ausdruck verleihen zu wollen. Ein in schwarz-rot-gold gekleideter Mann und seine Freundin beleidigten auf dem Heimweg eine Gruppe von jungen Leuten, die die Niederlage der DFB-Auswahl feierten. Sie beschimpften eine junge Frau u.a. als Fotze. Als die junge Frau die Beiden zur Rede stellen wollte, ging die Deutschlandfanin gewaltsam auf die junge Frau los.

Neulich in Leipzig: Seid ihr lesbisch?

9.

Januar
2009
Freitag

Nach ihrem Auftritt wurde ein DJ-Team in einem Club in Connewitz in der Nacht vom 08.01. zum 09.01. gegen 6 Uhr morgens von einem Mitglied der Belegschaft zur Seite genommen und im Flüsterton gefragt, ob sie lesbisch seien. In der Folge wurde eine der beiden Frauen, die sich nicht umgehend heterosexuell positionierte, verbal bedrängt.

Autobesitzer testet "Linke" mit Naziparolen

10.

Juni
2009
Mittwoch

Vor einem Tanzcafé werden Besucher_innen nach einer Veranstaltung von zwei Personen gefragt, ob sie deren Wagen beschädigt hätten. Die Besucher_innen verneinen dies. Nach Aussage der Besitzer hätte jemand ein linkes Symbol in den Lack des Wagens gekratzt. Die Autobesitzer stufen die Jugendlichen als "alternativ" ein und verdächtigen sie weiter. Nun ruft einer der Besitzer "Sieg Heil". Auf die Frage, was das solle, antwortet dieser, er teste, ob sie "Linke" seien. Wenn sie darauf reagierten, seien sie als Schuldige der Beschädigung überführt, so der Autobesitzer.

Homophober Spruch im Kino

19.

Juni
2009
Freitag

Sexistischer Alltag in Leipzig: Ein Kinobesucher will sich vor der Filmvorführung ein Getränk bestellen. Weil er das Angebot des Kinos in der Innenstadt nicht gut kennt, will er wissen, welche alkoholischen Getränke verkauft werden. Einem Augenzeug_innenbericht zufolge antwortet die Tresenkraft, es gebe Bier sowie trockenen Rot- und Weißwein. Als Letztes zählt sie Prosecco auf, woraufhin der Gast antwortet: "Ich bin doch nicht schwul!".

Antisemitische Sprüche bei Fußballspiel

20.

Juni
2009
Samstag

Bei einem Fußballspiel bezeichneten Fans eines Teams die Spieler der gegnerischen Mannschaft in offenbar diffamierender Absicht als "Juden" sowie "scheiß Zecken".

"Heil Hitler"-Rufe am Hauptbahnhof

30.

Juni
2009
Dienstag

Am Abend des 30. Juni kam es an einer Straßenbahnhaltestelle zu einer verbalen Auseinandersetzung. Ein Skinhead versuchte mit "Heil Hitler"-Rufen eine Gruppe junger Leute zu provozieren, die sich auf dem Heimweg von einer antifaschistischen Kundgebung in Leipzig-Lindenau befand. Als eine der Personen die Provokation verbal erwiderte, versuchte der Skinhead, diese Person anzugreifen. Seine Begleiter, eine Gruppe Punks, konnten ihn jedoch festhalten, bis die Antifaschist_Innen eine Straßenbahn bestiegen hatten, und verhinderten damit Schlimmeres.

Neulich in Leipzig: Sexistische Beleidigung

16.

Juli
2009
Donnerstag

Während einer Veranstaltung in einem Jugendzentrum bezeichnete ein männlicher Besucher eine Besucherin gegenüber einer dritten Person als "geilen Fickschlitten". Die Besucherin erfuhr kurz darauf von dieser Diskriminierung. Mit der verbalen Reduzierung ihrer Person auf ein Sexual-Objekt ging für die Betroffene die Androhung sexualisierter Gewalt einher.

Neulich in Leipzig: "Ausländer und Hartz-IV-Empfänger" klauen ständig Fahrräder

15.

Oktober
2009
Donnerstag

Bei einer Wohnungsbesichtigung verwies der Makler auf den großzügigen Hausflur. Er mahnte die Interessent_innen, die Fahrräder dort abzustellen, da diese draußen oft geklaut würden. Die Erklärung dafür lieferte der Makler ungefragt gleich mit: Im Viertel würden viele "Ausländer und Hartz-IV-Empfänger" wohnen.

Neulich in der LVZ: Brutaler "Ausländer" mit "schwarzen Haaren" und ein "polnischer Ladendieb"

7.

Januar
2010
Donnerstag

Die Leipziger Volkszeitung (LVZ) kann es einfach nicht lassen: Wenn die Polizei in ihrer täglichen Presseinformation die (mutmaßliche) Nationalität eines Tatverdächtigen erwähnt, übernimmt die Lokalredaktion das in der Regel penibel. Auch dann, wenn dies nichts zum Verständnis des Vorfalls beiträgt und nicht hilfreich für die Fahndung nach Tatverdächtigen ist.

Neulich in der LVZ: Wer klaut denn da? Die Rumänen.

8.

Februar
2010
Montag

Die Leipziger Volkszeitung (LVZ) kann es einfach nicht lassen: Wenn die Polizei in ihrer täglichen Presseinformation die (mutmaßliche) Nationalität eines Tatverdächtigen erwähnt, übernimmt die Lokalredaktion das in der Regel penibel. Auch dann, wenn dies nichts zum Verständnis des Vorfalls beiträgt und nicht hilfreich für die Fahndung nach Tatverdächtigen ist. In folgendem Fall war eine Fahndung gar nicht erst notwendig, konnten die Täter doch noch vor Ort festgestellt werden: