Benachteiligung/Behinderung von Rollstuhlnutzer_innen

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22.

Oktober
2014
Mittwoch

Die LVZ berichtet in ihrer Ausgabe vom 22.10. von architektonischen Hindernisse in Eilenburg, die durch nicht-abgesenkte Bordsteinkanten, ungünstig eingebaute Gully-Einläufe sowie zu schmale Gehwege zustande kommen.

Die nicht-abgesenkten Bordsteinkanten erschweren und verlängern die Fortbewegung mit Rollstühlen/Rollatoren. Beim Überqueren einer Ampel müssen die Nutzer_innen von Rollstühlen/Rollatoren jedoch erst "umdrehen um dann rückwärts hoch zu fahren". Zudem verunmöglichen zu schmale Wege die Benutzung der Wege die nur für Fußgänger ausgelegt zu sein scheinen.

Trotz der LVZ-Berichterstattung über die strukturelle Diskriminierung von Rollstuhl-/Rollatornutzer_innen in Eilenburg, ist der Artikel gleichzeitig aufgrund seiner Perspektive auf "Behinderung" zu kritisieren. So suggeriert bereits die Überschrift, "Rollstuhlfahrer [würden] an zu hohen Bordsteinkanten" scheitern, jedoch liegt die Einschränkung ihrer Mobilität an genannten architektonischen Hindernissen und nicht an individuellen oder selbstverschuldeten "Scheitern". Zudem sieht die Autorin die Nutzung eines Rollstuhl als "Handicap - Erschwernis, Hemmnis, Hindernis, Nachteil" und somit als defizitär an, womit eine vermeintliche - hier - physische "Normalität" geschaffen wird, deren Abweichung als "Behinderung" tituliert wird.

Dadurch wird Menschen, die Rollstühle/Rollatoren nutzen, die gleichberechtigte, uneingeschränkte Teilhabe am öffentlichen Leben verunmöglicht. Die genannten Hindernisse fungieren dabei als Barrieren und letztlich als Mechanismus gesellschaftlichen Ausschlusses. Demnach ist es die nicht barrierefreie Umwelt (...), die behindert, – behindert ist man nicht, behindert wird man.

Für die Berichterstattung von Journalist_innen über Menschen mit Behinderung ist die Website leidmedien.de empfohlen, die "für die Berichterstattung über Behinderung sensibilisieren" will. Dabei verweisen sie auf die Problematik von "Floskeln wie „an den Rollstuhl gefesselt“ oder “trotz der Behinderung”[, die] behinderte Menschen auf ihre „Defizite“ [reduzieren] und abwertende Bilder von Hilflosigkeit und Leid [verstärken]."