Neulich in Leipzig: RB verbietet antirassistische Transparente

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22.

Dezember
2014
Montag

Den Rahmen des letzten Spiels des Jahres 2014 wollte der RB-Fanclub "Red Aces" nutzen, um öffentlichkeitswirksam gegen den geplanten ersten Aufmarsch von Legida am 12.01. zu protestieren. Hierfür wurde im Vorfeld das Aufhängen entsprechender Transparente, die sich gegen Legida und gegen Rassismus richten sollten, bei RB Leipzig beantragt.

Die Verantwortlichen des Vereins lehnten das antirassistische Anliegen jedoch ab, wobei die Stadionordnung als Begründung herangezogen wurde, nach der "politische oder andere nicht mit der Veranstaltung zusammenhängenden Äußerungen untersagt" seien. In der Stadionordnung unter § 6 Abs. 1 heißt es konkret:

Den Besuchern des Geltungsbereiches ist das Mitführen folgender Gegenstände untersagt:

(n) rassistisches, fremdenfeindliches, antisemitisches, extremistisches, gewaltverherrlichendes, diskriminierendes Propagandamaterial sowie jegliches politisches Informationsmaterial; entsprechendes gilt für Kleidung, die Schriftzüge oder Symbole mit eindeutiger rassistischer, fremdenfeindlicher, antisemitischer, extremistischer, gewaltverherrlichender oder diskriminierender sowie jegliche Form von politischer Tendenz aufweisen.

Mit dem Verweis auf die Stadionordnung findet durch die Verantwortlichen von RB Leipzig nicht nur eine Entpolitisierung antirassistischen und sich gegen menschenverachtende Einstellungen richtendes Engagement statt, sondern eine Gleichsetzung mit eben jenen diskriminierenden Einstellungen, die die Verordnung eigentlich glaubt zu verhindern. Aufgrund dieser Form von (Nicht-)Politik, dem Unwillen sich mit diskriminierenden Einstellungen auseinanderzusetzen und sich gegen jene zu positionieren, findet vielmehr eine stille Akzeptanz menschenverachtender Einstellungen statt.

Dabei wäre eine Positionierung allemal notwendig. Auch wenn bisher nur wenige Ereignisse bekannt sind, in denen Funktionär_innen oder Fans von RB Leipzig durch diskriminierende Äußerungen auffielen, muss davon ausgegangen werden, dass bei den regelmäßigen Spielen des Vereins eine Vielzahl von menschenverachtenden und abwertenden Verlautbarungen getätigt werden, die bisher lediglich nicht öffentlich bekannt wurden. Dies fasste ein RB-Fan treffend zusammen: "Rassistische und homophobe Zwischenrufe gibt es fast bei jedem Spiel."

Bisher dokumentiert sind folgende Ereignisse:

* 08.04.2012 - RB-Leipzig-Trainer Peter Pacult beleidigt St.-Pauli-Fan als "schwule Sau"
* 15.02.2013 - Diskriminierung im Fußball: Die ganze Palette
* 08.05.2013 - NSU-Verherrlichung nach Regionalliga-Derby in Leipzig
* 23.07.2014 - RB Leipzig: Homosexuellenfeindliche Gesänge bei Testspiel
* 17.10.2014 - Antiziganistische Äußerung durch RB-Fans
* 19.10.2014 - Homosexuellenfeindliche Gesänge durch RB-Leipzig-Fans

Quelle: 

fanzeit.de: "RB Leipzig-Fanclub 'Red Aces' positioniert sich gegen die “LEGIDA”-Demonstration"; faszination-fankurve.de vom 08.01.2015: "RB Leipzig verbietet Antirassismus-Spruchbänder?"; Netz-gegen-Nazis.de vom 14.01.2015: "Legida-Organisatoren aus rechter Fußballszene - Breite Gegenproteste geplant"