Und wieder Simon - Diesmal: Ausraster vor Kamera der "Lügenpresse"

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12.

Januar
2015
Montag

In der Berichterstattung über die "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) versuchen Journalist_innen die Akteur_innen des Organisationsteams darzustellen, um so auch Pegida "ein Gesicht" geben zu können. Im Fokus der Öffentlichkeit standen dadurch bisher Kathrin Oertel sowie Lutz Bachmann, doch ihnen wird nun das Rampenlicht streitig gemacht.

Denn trotz des zeitgleichen Aufmarschierens der Pegida in Dresden sowie ihres Leipziger Ablegers (Legida) verschlug es am 12. Januar mindestens einen Bewohner Leipzigs in die sächsische Landeshauptstadt, um dort bereits seinen dritten Auftritt haben zu können, wenn auch etwas spontaner als zuvor.

Stephane Simon
Nach seiner Hetzrede am 22.12. sowie seinem zweiten Auftritt vor der Pegida-Anhäufung am 05.01. sehnte sich Simon scheinbar nach weiteren öffentlichen Auftritten. Diesmal blieb ihm die Bühne jedoch versperrt und so musste Simon - bei seinen bisherigen beleidigenden und diffamierenden Reden erntete er durch Pegida-Anhänger/innen "Zugabe"-Rufe und Beifall - einen anderen Weg finden um abermals Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Und dies mit Erfolg: Während andere Teilnehmer/innen des Pegida-Aufmarschs an der Fernsehkamera des ZDF vorbeischlichen und es vermeiden wollten mit der "Lügenpresse" in Kontakt zu kommen, nutzte Simon die Gelegenheit, um sein Darstellungs- und Mitteilungsdrang zu befriedigen.

Mit aller Inbrunst rief Stephane Simon der Kamera "Lügenpresse" sowie "Propagandaabteilung" entgegen. In seinem knapp 17-sekündigen, mit einer Unterbrechung versehenen Auftritt schrie Simon weiterhin "Lügner" der Kamera entgegen.

Geschichte eines Kampfbegriffes
"Lügenpresse" - das frisch-gekürte Unwort des Jahres 2015 und zentraler Kampfbegriff der Pegida sowie ihrer Ableger. Ein Terminus, dessen Verwendung ebenso klare Analogien zu völkischem sowie (neo)nazistischem Gedankengut offenbart.

Christian Buggisch verweist in seinem Artikel "Die 'Lügenpresse' – ein Begriff und seine Geschichte" auf die Notwendigkeit der Analyse der durch Pegida-Organisator/innen wie -Anhänger/innen verwendeten Sprache und zeigt die Begriffsgeschichte des Ausdrucks "Lügenpresse" auf. Der Begriff fand bereits "im Rahmen der völkischen Bewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts" rege Verwendung, so auch während des Ersten Weltkriegs. Buggisch verweist dabei auf das 1914 veröffentlichte "Buch 'Der Lügenfeldzug unserer Feinde: Die Lügenpresse' mit einer 'Gegenüberstellung deutscher, englischer, französischer und russischer Nachrichten'."

Die zweite Hochphase hatte der Begriff während des Nationalsozialismus, wobei neben "ausländischer", auch "als marxistisch und jüdisch geltende Presse diffamiert" wurde. Als "Lügenpresse" bezeichnete Medien sollten somit als “'undeutsch' und 'vaterlandslos'", letztlich unpatriotisch verurteilt werden.

Buggisch stellt abschließend fest, dass sich Pegida "zu Beginn des 21. Jahrhunderts (...) desselben Kampfbegriffs [bediene], (...) ihn gegen die Zeitungen im eigenen Land [richte und], damit aber die gleiche Kritik wie ein Jahrhundert zuvor [verknüpfe]: Lügenpresse ist unpatriotische Presse."

* Wir sind bemüht, in allen Artikeln den verschiedenen Geschlechtsidentitäten gerecht zu werden, statt durch die deutsche Grammatik nur Männer anzusprechen oder das beschränkte Mann-Frau-Schema zu bemühen. Daher verwenden die Autor_innen in der Regel die Schreibweise „_ innen“. Falls Sie beim Lesen darüber stolpern sollten, war das unsere Absicht. Diese Schreibweise wenden wir jedoch nicht bei Personen an, die auf den patriarchalen Vorstellungen der Geschlechter beharren, so auch in diesem Fall.

Quelle: 

ZDF-heute vom 12.01.2015; Publikative.org vom 01.01.2015: "Die 'Lügenpresse' – ein Begriff und seine Geschichte"