Braune Propaganda auf dem Weihnachtsmarkt

09.

Dezember
2010
Donnerstag
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Donnerstag, 9. Dezember 2010

Am 09. Dezember 2010 verteilten Angehörige der neonazistischen Kameradschaft "Heimat Treues Leipzig" gegen 12 Uhr auf dem Weihnachtsmarkt Flublätter. In diesen wurde an den Jahrestag der Bombardierung der Messestadt während des Zweiten Weltkriegs erinnert und zugleich gegen angeblich "völkerrechtswidrige Kriege" der USA und Israels gehetzt. Dazwischen soll eine Verbindung bestehen: die angeblich "imperialistische" Politik der USA. Damit relativieren die Autoren den Holocaust und verharmlosen den Nationalsozialismus.

Auch sehen Neonazis in den Einsätzen in Afghanistan oder dem Irak eine Einmischung in die Belange fremder "Volksgemeinschaften". Da ihre Ideologie auf einer sozialdarwinistisch begründeten Selektion fußt, sind von Staaten begangene Menschenrechtsverletzungen oder gar die gewaltsame Eliminierung ganzer Bevölkerungsteile aus ihrer ideologischen Perspektive legitim, solange sie dem "Volkswohl" dienen. Auch humanitäre Katastrophen tragen in Neonazi-Augen zur "natürlichen Auslese" bei. In einer kurzen Notiz auf einer lokalen Neonazi-Website hieß es Anfang des Jahres zur Erdbeben-Katastrophe in Haiti: "Herrscht keine Ordnung, herrscht Chaos im Karibikstaat? Nein, alles ist in bester natürlicher Ordnung! Anarchie gibt es nicht, man rottet sich in überlebensfähigen Banden zusammen und läßt das Schwache verkommen."

Quelle: 

Augenzeug_innenbericht, Nazi-Flugblatt, Gamma 187