Nazi-Hool-Band "Kategorie C" spielte wieder in Leipzig

21.

Mai
2011
Samstag
Druckeroptimierte VersionAls Email versenden
Samstag, 21. Mai 2011

Wieder einmal gab es in Leipzig ein Konzert der neonazistischen Hooliganband-Band "Kategorie C - Hungrige Wölfe", diesmal unter dem Tournee-Motto "Deutsche Jungs Tour 2011". Etwa 300 Besucher fanden sich im "Club Lagerhof" unweit des Hauptbahnhofes ein. Augenzeug_innen berichten, dass etliche organisierte Neonazis aus dem Leipziger Umland das Konzert besuchten.

Als Support trat an diesem konspirativ organisierten Konzertabend - der Veranstaltungsort wurde vorab nicht bekanntgegeben - die Leipziger Onkelz-Coverband "J.H.P.B." auf. Sie gilt als "Haus- und Hofband" des Leipziger Chapter (lokaler Ableger) des Rockerclubs "Underdogs MC". Dieser hatte bereits 2010 ein Konzert mit "Kategorie C" veranstaltet. Im "Club Lagerhof" trat "Kategorie C" auch 2009 schon auf.

Auf Anfrage von chronik.LE teilte die Pressestelle der Leipziger Polizei später mit, dass die Konzertbesucher "sehr aggressiv" gewesen seien. Schon am frühen Abend wurden auf dem Konzertgelände rund "30 Personen aus dem Rocker- und Hooliganmilieu" durch die Polizei festgestellt. Diese waren mit zwei Baseballschlägern und einem Elektroschocker ausgestattet. Gegen sie wird nun wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz ermittelt.

Es habe aber von seiten der Polizei aus zu keinem Zeitpunkt ein Grund dafür bestanden, das Konzert vorzeitig zu beenden. Auch das hinzugezogene Ordnungsamt hatte offenbar nichts zu beanstanden. Trotzdem endete das Konzert zum Ärger der Besucher bereits gegen 23 Uhr. Da hatte "Kategorie C" erst eine Stunde gespielt. Vermutlich wegen technischer Unfähigkeit und der Unlust der Band beendeten die Mudiker ihren Auftritt vorzeitig. Nach Ende des Konzerts musste die Polizei einem "Zusammentreffen" der Konzertbesucher mit Teilnehmer_innen einer antifaschistischen Veranstaltung in Lindenau, die sich gegen das Nazi-Zentrum in der Odermannstraße richtete, vorbeugen.

Bereits am Abend zuvor hatten etliche Neonazis mehrere Menschen und Projekte in Lindenau atackiert und überfallen. Auch einen Tag nach dem Konzert machten "Kategorie C"-Fans in Lindenau auf sich aufmerksam: Etwa 25 Männer waren in der Angerstraße unterwegs, grölten Songtexte der Band und beschimpften Passant_innen als "Schwuchteln".

"Kategorie C" - eine Naziband?

Die Band "Kategorie C" hat eindeutige Schnittmengen mit der Neonazi-Szene in Deutschland. Sie ist nicht nur besonders beliebt bei Neonazis und Hooligans; "K.C." spielte schon mehrfach mit anderen Rechtsrockgruppen bei einschlägigen Neonazi-Events. Als Konzert-Security werden gern bekannte Nazi-Schläger angestellt, wie beispielsweise Anfang 2011 bei einem Konzert in Moskau.

Der Sänger der Band, Hannes Ostendorf, war 1991 an einem Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Bremen beteiligt. Ostendorfs Bruder war bis Januar 2011 Geschäftsführer des in Riesa ansässigen "Deutsche Stimme"-Verlags der NPD, der unter anderem die gleichnamige Partzeizeitung herausgibt. Auch die Wahl der Labels fällt eindeutig aus: Das "KC"-Album "Hungrige Wölfe" wird durch das Nazi-Label "PC-Records" aus Chemnitz vertrieben.

Sich selbst bezeichnet die Band als "absolut politisch neutral". Mit dieser Schutzbehauptung versucht die Band immer wieder Kritiker_innen zu diskreditieren. Wie "neutral" die Band wirklich ist, lässt sich zum Beispiel an dem rassistischen und nationalistischen Text des Songs »Deutschland dein Trikot« aufzeigen. Der Song wurde im Vorfeld der Fußball-WM 2006 auf dem Sampler »Zu Gast bei UNS« veröffentlicht. Darin heißt es:

»Deutschland dein Trikot. Das ist schwarz und weiß. Doch leider auch die Farbe deiner Spieler. In München, Rom und Bern, da gab’s noch echte Deutsche. Solche Jungs und diese Siege hätten wir jetzt gerne wieder! [...] Deutschland ist der Schlachtruf. Für Deutschland stehen wir alle ein. Doch Deutschland ist nicht die BRD.«

Die CD erschien im Mai 2006 und wurde zwei Monate später wegen der "öffentlichen Aufforderung zu Straftaten sowie Gewaltdarstellungen" bundesweit beschlagnahmt.

Quelle: 

chronik.LE, Pressestelle der Polizeidirektion Leipzig, Augenzeug_innen, Webpräsenz von "Kategorie C - Hungrige Wölfe", PM Recherchegruppe Leipzig vom März 2011, Lotta #31 Sommer 2008: Die RechtsRock-Band »Kategorie C« (PDF Download)