Nazikundgebung in Wurzen: Von Dresden über Hiroshima nach Wurzen?

14.

Februar
2010
Sonntag
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Sonntag, 14. Februar 2010

Einen Tag nach dem gescheiterten so genannten Trauermarsch in Dresden veranstalteten Neonazis in Wurzen eine Kundgebung unter der Motto "Dresden – das deutsche Hiroshima und sie bomben weiter!" chronik.LE dokumentiert dazu einen Bericht von "Recherche Ost" (dort auch Bilder):

Ursprünglich für nur etwa zwei Dutzend TeilnehmerInnen angemeldet, kamen schliesslich ca. 50 Personen aus der regionalen Neonaziszene im Zentrum von Wurzen zusammen, darunter vorrangig Jugendliche. Auch eine Reihe neonazistischer Hooligans beteiligte sich an der Kundgebung beziehungsweise hielt sich in ihrem Umfeld auf. Dabei waren auch mindestens zwei der Schläger, die im Oktober 2009 ein Fußballspiel in Brandis angegriffen hatten. Auffällig war, dass einschlägig bekannte regionale Neonazikader nicht erschienen waren.

Veranstaltet wurde die Kundgebung aus dem Kreis der Jungen Nationaldemokraten Muldental, als Anmelder fungierte deren "Stützungspunktleiter" Mathias König aus Wurzen. Er ist wiederholt als Aktivist der regionalen Neonazi-Szene und des "Freien Netz Muldental" in Erscheinung getreten. Als Redner trat neben Mathias König noch der regionale NPD-Kreisrat Gerd Fritzsche auf.

Gegen die Kundgebung hatte in Wurzen unter Beteiligung von etwa 150 Menschen ein Friedensgebet mit anschließender Demonstration zum Kundgebungsort der Neonazis stattgefunden. Der regionale Grünen-Landtagsabgeordnete Miro Jennerhahn bezeichnete dies zu recht als "einen Quantensprung in der Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus". Wurzen war Anfang der 90er Jahre eine Hochburg organisierter Neonazis und seither immer wieder, auch durch unzureichendes Engagement der Politik, in die Schlagzeilen geraten.


Nach dem verhinderten "Trauermarsch" der Neonazis am 13. Februar in Dresden war es in mehreren Städten zu spontanen Aufmärschen gekommen. Am Sonnnabend selbst unter anderem in Leipzig, Bautzen, Zwickau, Hoyerswerda, Gerda und Pirna, tags darauf neben der angemeldeten Kundgebung in Wurzen auch in Meißen. Bereits in Dresden hatte NPD-Bundesvorstandsmitglied Thomas Wulff offen gedroht: „Um 18.00 Uhr fahren unsere Busse ab. Wenn man uns nicht zu ihnen durchlässt, werden unsere Kameraden ausschwärmen und dafür sorgen, dass die Polizei hier in Dresden heute Nacht keine Ruhe hat.“ Zudem verbreitete Wulff offenbar das Gerücht, zwei “Kameraden” seien bei Attacken von Antifaschisten getötet worden. Die Drohung von NPD-Vorstand Wulff wurde in Pirna Wirklichkeit. Dort zerstörten einige der 400 Teilnehmer die Scheiben des lokalen SPD-Büros, auch in Gera randalierten etliche Neonazis nach ihrer Ankunft. Bei anschließenden Festnahmen wurden auch Abgeordnete der NPD festgenommen.