Neonazis als Nachbarn: Organisierte Szene nutzt Wohnungen in Zentrum-Ost als Anlaufpunkt

31.

Dezember
2011
Samstag
Druckeroptimierte VersionAls Email versenden
Samstag, 31. Dezember 2011

Um die 30 Personen besuchten eine Silvesterveranstaltung in einer von Nazis genutzten Wohnung in der Langen Straße 15. Das meldete am 10. Januar das Bündnis Ladenschluss unter Bezugnahme auf Anwohner_innen. Gegen 0.00 Uhr sollen sich die Personen, die zum großen Teil dem rechten Hooliganmilieu zuzuordnen seien, vor das Haus begeben haben. Nachbarn beobachteten, dass sie auf der Straße vor dem Haus mit ungewöhnlich kräftigen Böllern zwei Autos bewarfen und schwer beschädigten. Außerdem beleidigten die feiernden Nazis unbeteiligte Personen und griffen auch diese mit Böllern an. Anwohner_innen riefen die Polizei, die mit Verweis auf silversterbedingte Überlastung untätig geblieben sei.

Im folgenden dokumentieren wir die Pressemitteilung des Bündnisses Ladenschluss:

Neonazis nutzen Wohnhaus in der Langen Straße in Leipzig als neuen Anlaufpunkt

Ladenschlussbündnis fordert Eigentümerin zur Beendigung der Mietverhältnisse auf und warnt davor, dass der Leipziger Osten erneut zum Hauptaktionsfeld von Nazis wird

Seit November 2011 nutzen Personen, die der Leipziger Neonaziszene angehören, eine Wohnung in der Langen Straße 15 (Zentrum-Ost) als semi-öffentlichen Party- und Veranstaltungsraum.

Der erste Akt der Nazimieter war das Hissen einer Fahne mit der Aufschrift „My blood is my honour, my race is my pride“ aus dem Fenster einer der beiden angemieteten Wohnungen. Die Fahne wurde erst nach drei Wochen entfernt. Die Hausverwaltung - die SGK Liegenschaftsverwaltung GmbH – Teil der Kling Group und damit des Firmennetzwerkes der Eigentümer des Hauses in der Langen Straße, der Familie Kling - blieb trotz mehrmaliger Beschwerden von HausbewohnerInnen und AnwohnerInnen der Langen Straße untätig.

Mittlerweile gehen in den Wohnungen bekannte Gesichter der NPD Leipzig sowie der gewaltbereiten, rechtsorientierten Fußball-Fan-Szene ein und aus. Es ist zu befürchten, dass sich hier ein neuer Anlaufpunkt der lokalen Neonaziszene etabliert – geduldet von der Eigentümerin des Hauses, der Gesellschaft für Liegenschaftsverwaltung Kling mbH Projekt Lange Straße 13/15.

Im Zuge einer ersten größeren Veranstaltung in der von den Nazis genutzten Wohnung im Erdgeschoss in der Nacht vom 9. zum 10. Dezember wurden einschlägige Nazislogans wie „Sieg heil“ skandiert, die bis auf die andere Straßenseite zu hören waren.
Erst nach mehrmaligen Besuchen durch die Polizei löste sich die Veranstaltung allmählich auf. Am nächsten Morgen fand sich verschiedenes Hausinventar zerstört.

In der Silvesternacht nahmen die Ereignisse einen vorläufigen negativen Höhepunkt. Ca. 30 Besucher der von den Nazis angemieteten Wohnungen randalierten im Haus Lange Straße 15. Nachbarn beobachteten, dass sie auf der Straße vor dem Haus mit ungewöhnlich kräftigen Böllern zwei Autos angriffen und diese zerstörten. Außerdem beleidigten die feiernden Nazis unbeteiligte Personen und griffen auch diese mit Böllern an. Die Polizei, die von AnwohnerInnen der Langen Straße gerufen wurde, blieb mit Verweis auf silversterbedingte Überlastung untätig.

Für die AnwohnerInnen der gesamten Langen Straße, unter anderem auch Familien mit Kindern, stellt die neue Nachbarschaft eine reale Bedrohung dar. Ruhestörung und Zerstörungen sind dabei „nur“ eine Seite der Medaille. Die Präsenz von Neonazis, die Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen, abwerten, diskriminieren und dabei auch vor Gewalt nicht zurückschrecken, ist in erster Linie eine echte psychische Belastung. Die ständige Angst vor Beleidigungen und Angriffen macht ein unbeschwertes Leben und Wohnen unmöglich.

Verschiedene Interventionen bei der Eigentümerin des Hauses, der Geschäftsführerin der Gesellschaft für Liegenschaftsverwaltung Kling mbH Projekt Lange Straße 13/15, Nicole Kling, und den von ihr eingesetzten Verwaltungen blieben ergebnislos. Nachdem die Verwalterfirma nach den ersten Beschwerden wegen Sachbeschädigung und Ruhestörung gewechselt hat und auch vor dem Hintergrund der Untätigkeit der Polizei bei Zwischenfällen wie in der Silvesternacht bleibt der Schritt in die Öffentlichkeit die letzte Möglichkeit, um die Situation zu verändern.

Wir fordern die Eigentümerin des Hauses Lange Straße 15 - vertreten durch die Geschäftsführerin Frau Nicole Kling - auf, die Bedenken und Ängste der HausbewohnerInnen und AnwohnerInnen ernst zu nehmen und das Mietverhältnis mit den Nazis zu beenden.

Das Ladenschlussbündnis richtet in diesem Zusammenhang den Blick auf weitere Entwicklungen im Leipziger Osten. Nicht nur der Einzug von Neonazis in das Wohnhaus in der Langen Straße bestärkt die Vermutung, dass der Osten erneut zum zentralen Aktionsfeld für Neonazis werden könnte. Auch ein neuer Laden im Täubchenweg, dessen Sortiment zum großen Teil aus der bei Neonazis beliebten Marke Thor Steinar besteht, weist darauf hin.
Darüber hinaus nutzen nach Angaben des Sächsischen Innenministeriums die neonazistischen „Freien Kräfte“ nach ihrem Auszug aus dem Nazizentrum in der Odermannstraße 8 eine Lokalität in der Wurzner Straße in Sellerhausen als Treffpunkt.

Das Aktionsbündnis verweist auf die Jahre 2007/ 2008 als die damals neu gegründeten „Freien Kräfte“ im Osten massiv aktiv waren. Neben verschiedenen Aufmärschen und Propagandaaktionen gab es zu dieser Zeit zahlreiche Übergriffe auf ein von Studierenden bewohntes Wohnhaus in der Holsteinstraße in Reudnitz.

Solche Zustände dürfen sich nicht wiederholen, menschenverachtende Ideologien dürfen nicht geduldet werden. Wir appellieren, die aktuellen Entwicklungen ernst zu nehmen, sich zu vernetzen und sich an geplanten Protestaktivitäten zu beteiligen.


Das Ladenschluss-Bündnis weißt außerdem darauf hin, dass in den Wohnungen Personen der NPD Leipzig sowie der gewaltbereiten, rechtsorientierten Fußball-Fan-Szene ein- und ausgehen. Diese und weitere Informationen finden sich auf dem des Bündnisses Ladenschluss.