Neulich in Leipzig: Homophober Spruch an HTWK-Bibliothek

02.

März
2010
Dienstag
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Dienstag, 2. März 2010

Anfang Februar haben Unbekannte die Fassade der 2009 neu eröffneten Bibliothek der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) besprüht. Der Spruch "Lesen ist für Schwule" wurde erst nach etwa einem Monat, also Anfang März, mit weißer Farbe übertüncht.

Die Äußerung, die sich an die Bibliotheksbesucher_innen richtete, ist in zweifacher Hinsicht abwertend. Sie ist homophob, weil sie Männer angreift, die Männer lieben. "Schwulsein" wird dabei mit Schwäche und intellektueller Tätigkeit gleichgesetzt. Dabei werden Vorurteile gegenüber Homosexuellen bedient, die darauf fußen, dass homosexuelle Männer keine "echten" Männer seien. Männlichkeit wird in diesem Fall mit Heterosexualität, Stärke und körperlicher Arbeit assoziiert. Angeblich typische männliche oder weibliche Eigenschaften sind jedoch soziale Konstrukte, die Menschen aufgrund ihres Geschlechts zugeschrieben werden und aus denen sich verschiedene Erwartungen ergeben. Werde diese Erwartungen nicht erfüllt, kann die Konsequenz Diskriminierung sein.
Außerdem werden Menschen abgewertet, die die Bibliothek als Lese- und Arbeitsort nutzen. Ihnen wird unterstellt, dass sie keine "ehrliche" Arbeit leisten. Wissenschaftliche Arbeit (Recherche, Informationsaneignung u.ä.) wird demnach körperlicher Arbeit gegenüber abgewertet.

"Lesen ist für Schwule" - homophobe Parole an der Leipziger HTWK

"Lesen ist für Schwule" - homophobe Parole an der Leipziger HTWK

Quelle: 

Augenzeug_innen, chronik.LE