Oschatz: Obdachloser stirbt nach brutalem Angriff - Hinweise auf rechtes Tatmotiv

27.

Mai
2011
Freitag
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Freitag, 27. Mai 2011

Am 27. Mai wurde der Wohnungslose André K. am Oschatzer Südbahnhof von drei Männern so brutal zusammengeschlagen, dass er wenige Tage später, am 1. Juni, seinen schweren Verletzungen im Krankenhaus erlag. Mit Tritten und Schlägen hätten die ortsansässigen Täter ihrem Opfer massive Verletzungen am Kopf zugefügt.

Mindestens einer der drei Täter, Ronny Sch., wird laut Angaben der Linksfraktion im Sächsischen Landtag und des antifaschistischen Informationsportals GAMMA in der Naziszene verortet. Die Staatsanwaltschaft äußerte sich bis zum Beginn der Verhandlung im Dezember 2011 mit Verweis auf die noch laufenden Ermittlungen nicht zu Tathergang und Motiv. Im Februar 2012 legten zwei der Angeklagten Geständnisse ab. Sie belasteten Ronny Sch. schwer, den sie als Anführer der tödlichen Attacke auf den Obdachlosen ausmachten. Nach dem Motiv ihres Angriffs gefragt antwortete einer der Angeklagten: "Es gab sicherlich keinen Anlass dafür", "wir haben uns im Suff einen sinnlosen Grund eingeredet."

Die Opferberatungsstelle RAA Sachsen weist darauf hin, dass "Gewalt gegen Wohnungslose ein gesellschaftlich kaum wahrgenommenes Problem sei. Sie geschieht nicht selten aus der Motivation heraus einen „Penner fertig zu machen“. Das Opfer wird als „minderwertig“ und „asozial“ angesehen und ihm/ihr das Recht auf Leben abgesprochen. Aus dieser Einstellung heraus zeichnen sich Gewalttaten gegen Wohnungslose häufig durch schwere Misshandlungen und besondere Brutalität aus."